BLOODLIGHTS: Pulling No Punches

BLOODLIGHTS: Pulling No Punches

Diese Platte verwandelt auch einen Kleinstwagen auf der A8 in einen V8-Straßenkreuzer auf einer staubigen Piste, unterwegs in Richtung Sonnenuntergang, kaltem Bier und einer verdammt guten Zeit: BLOODLIGHTS, die Band um GLUECIFER-Gitarrist Captain Poon, macht mit ihrem vierten Album, was der Norweger schon immer gemacht hat: dreckigen Rock mit einem kleinen Blues-Einschlag.

Wo GLUECIFER mit dem grandiosen und unerreichten Album „Ridin‘ The Tiger“ und den Nachfolgern „Soaring with Eagles at Night to rise with Pigs in the Morning“ und „Tender Is The Savage“ wüste Rockorgien feierten und ein Schlachtfeld mit fettigen Pizzakartons, leeren Kippenschachteln,  undefinierbarem Siff auf dem Fußboden und einem  Vermögen in Flaschenpfand zurückließen, geht’s heute etwa gediegener zur Sache. Gekühltes Craftbeer, edles Barbecue, nach dem Mahl ein Digestiv – das Feierbiest kommt erst später vorbei und geht auch wieder zeitig nach Hause. Die Reife tut den Songs gut, das Songwriting ist raffinierter, die Details wie Hammondorgelklänge in „The Only Way Is Down“ oder die ROLLING STONES-Gedächtnisbackingvocals (und jetzt alle: „uhuhuhuhu“) in „Static Pulse“ sind stimmiger.

Gleichzeitig hat Poon nix verlernt: Da hat ein Song schon eine geile Melodie, dann hauen er und seine Jungs auch noch ein hinreißendes Gitarrensolo raus – wie bei „Kick It Up“. Die Formel ist einfach: Drei Akkorde plus X – und die Unbekannte ist bei den BLOODLIGHTS ein Plus an Melodien. Und zwar die Sorte, die erstmal gute Laune macht, bei der aber auch gerade so viel Molltöne mitklingen, dass einem sofort klar wird, dass dieser Moment nie wieder kommt und deshalb gebührend gefeiert werden muss.

Ein bisschen nachdenklicher geht‘ s auch: Schon der Titel „Suicide Letter“ deutet an, dass es jetzt um etwas anderes geht – aber auch dieser Song kriegt die Kurve und biegt schließlich ein auf die Zielgerade zur Party, schließlich lebt man nur einmal. YOLO sagt man heute wohl dazu.

„When You’re Not Here“ ist die überraschungsarme Quotenballade auf dem Album – sehr zurückgenommen und im Vergleich zu den anderen Songs viel zu sehr nach Schema F aufgebaut. Leider vollkommen unnötig, aber dazu gibt’s ja die Skip-Taste. Rocken können die Jungs besser – und irgendwie sind sie wie auch die GLUECIFER-Fans der ersten Stunde in die Jahre gekommen. Das muss nichts schlechtes sein, dieses Album beweist es. Insofern kann man sich dieses Album gerne zu IMPERAL STATE ELECTRIC stellen, bei denen sich ja Nicke Andersson von den HELLACOPTERS heutzutage austobt.

VÖ: 26. Mai 2017

Label: Konkurs Productions/ Soulfood

Line-up:
Captain Poon, Gesang, Gitarre
Howie B., Gitarre
Chris Banjo, Bass
Woody Lee, Drums

Homepage: http://www.bloodlights.com
Mehr im Netz: facebook.com/bloodlights

 

 

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andrea

Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin…