BLACK SABBATH: The End – Live In Birmingham [2CD]

BLACK SABBATH The End (Live In Birmingham Cover

Ein bisschen hätten BLACK SABBATH ruhig noch aushalten können, um die Band nach runden 50 Jahren zu Grabe zu tragen. Wollten sie nicht, gibt genug Gründe, nun ist es endgültig. Am 4. Februar spielten sie zuhause in Birmingham in der O2 Arena ihre allerletzte Show. Und dieser Band nehme ich so ab, dass sie wirklich Schluss macht. TONY IOMMI wird seine Genesung anders feiern wollen als in irgendwelchen Backstagekabinen, OZZY OSBOURNE wird solo noch eine letzte Runde drehen bin er wirklich umfällt. Ein paar Live-Scheiben gab es bereits, die lassen BLACK SABBATH nun brav in der zweiten Reihe stehen. „The End – Live In Birmingham“ ist das Fest, das sich die Fans als Abschiedsshow gewünscht haben, und bietet mit der Songauswahl erfreuliche Überraschungen. Zumindest wenn man die Band nicht im letzten Jahr bereits bei uns live gesehen hat. Dass eine objektive Beurteilung unmöglich ist, wenn die persönlichen Götter zum Tanze bitten, nun ja…

Die Gottväter des Doom bitten zum letzten Tanz

Tja, sie hätten mich auch fragen können. Aber warum, die Doom-Götter kennen meine persönlichen Faves und präsentieren genau diese. Danke meine Herren! Es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie nicht stumpf das Best Of-Programm abliefern, sondern auch lange vernachlässigte Songs spielen. Und wenn zum Auftakt die kleine Glocke im Regen ertönt – da verweise ich gern auf die Review zum Debüt „Black Sabbath“. Da ist Glückseeligkeit angesagt! Mit diesem Song wurde die letzte Messe des DOOM SHALL RISE live beendet, auf der Bühne zu spielen und die DSR-Familie rastet komplett aus wenn der Song Gas gibt … Da ist fetteste Gänsehaut angesagt wie es nur die ganz besonderen Musiker schaffen. Hier und da hakt OZZY wieder, aber kein Vergleich zum 8. Juni letzten Jahres, wo er verzweifelt versuchte, dem zu schnell laufenden Textmonitor zu folgen. Aber diesem Mann nimmt man sowas nicht übel, OZZY halt. Man höre ihn nur, wenn er seine ehemals diabolische Lache auspackt, Satan´s smiling! Heute klingt das lustig nach kauzigem Opa, was Herr Osbourne ja nun mal ist. Wie auch immer, beim fantastischen „Fairies Wear Boots“, „Under The Sun“ oder dem Oberhammer „After Forever“ kann man nur durchdrehen.

Super eingespielt aber nicht zu perfekt

Es ist beachtlich, wie eingespielt aber nicht zu perfekt die Herren nach dieser langen Tour sind, in Berlin ging es noch deutlich holpriger zu. Geezer Butler spielt nicht mehr durchgehend so weit nach vorn, Drum-Junior Tony Clufetos (OZZY, ALICE COOPER, TED NUGENT) treibt nicht mehr so. Adam Wakeman, ebenfalls von OZZYs Hausband, hat man mit Keyboards und zweiter Gitarre leider hinter dem Vorhang versteckt. Was sich nicht geändert hat: wenn TONY IOMMI Raum hat, dann zieht er alles zurück, dann weiß man, wer der Gottvater des Doom ist. Selbst wenn die Songs Fahrt aufnehmen und alle Druck aufbauen, er bleibt stur und mit einem charmanten Lächeln herrlich laid back. Sorry liebe Mitmusiker, er hat Schuld, dass ich Euch immer irre mache! Wenn OZZY ihn vorstellt als the one, the only „King Of Riffs“ wird das jeder unterschreiben, nicht nur das euphorische Publikum. Nicht nur wenn danach „War Pigs“ ertönt, wer solche Meisterwerke purer Heavyness erschafft, der darf nicht gehen. Oder wenn, dann genau so! Natürlich singen alle mit, OZZY hat Pause, mit dem Notebook auf dem Sofa sitzen zu müssen ist fast Folter. Fast rennt Geezer Butler wieder weg, bitte nicht beim persönlichen Highlight „Behind The Wall Of Sleep“, bei welchen dem kleinen Schreiber schon als Bubi die noch nicht vorhandenen Nackenhaare hochstanden. Ich werd wahnsinnig – wahnsinnig unprofessionell – aber sorry…

Bei „N.I.B.“ gibt’s Ärger, weil das ganze Sofa wackelt. Geezer treibt wieder bei „Hand Of Doom“. OZZY, stimmlich erfreulich fit, kämpft sich tapfer durch die tiefen Vocals, Tony Clufetos setzt energischen Druck, wie es wohl Bill Ward – so ehrlich muss man sein – nicht hinbekommen hätte. Man hört, warum OZZY ihn von seiner eigenen Band mitgeschleppt hat. Er darf sich nach einem sehr coolen Medley auch mit einem Solo präsentieren, hier angepasst deutlich kürzer als live in Berlin. Zeit für Herrn OSBOURNE, etwas Luft zu holen. Am Ende reichen vier Bassdrum-Kicks und alle wissen: „Iron Man“! Niemand kann es so spielen, IOMMI zeigt wieder, wer der Riff-Gott ist. Das Publikum kommt immer wieder mal durch, singt lautstark mit. Unerwartet und gerade deshalb willkommen „Dirty Women“, was für ein herrlicher Flow. Wenn zum Schluss mit „Children Of The Grave“ ein weiteres persönliches Highlight ertönt, dann fliegt das Notebook weg und die Luftgitarre glüht. Nein, einfach nein, ich brauch nicht „den“ Hit hören, aber natürlich müssen BLACK SABBATH ihn spielen und alle rasten aus – nur ich nicht, na ja ein bisschen. So wie viele STATUS QUO am nervigen „Rocking All Over The World“ festmachen, steht „Paranoid“ bei vielen als Sinnbild für BLACK SABBATH, und hat doch so wenig zu tun mit dem gigantischen Universum großer Songs der Doom/Metal-Götter. Schnell vorbei, erste CD wieder rein.

Bei solchen Live-Scheiben hat man ja oft die Wahl, ob man sich für die Audio-Version entscheidet oder das Konzert zuhause anschauen möchte. „The End – Live In Birmingham“ macht es einem einfach. Man braucht sie beide! Die CDs für die Dröhnung zuhause und im Auto, die Blu-ray/DVD um die Band zuhause abfeiern zu können und sie wie alte Freunde zu verabschieden. Einige Packages bieten die passende Kombination. Zudem sollte man eine Edition wählen mit der extra-Scheibe „The Angelic Sessions“. Nach der Abschiedsshow ging es nochmal ins Studio, um weitere fünf Evergreens in dieser Laune live einzuspielen.

So erstklassig tragen Musiker selten Ihre Band zu Grabe!

„The End – Live In Birmingham“ gehört in jede Rock/Metal-Sammlung. Sicher ist das Abschiedsfest auch als 3-LP ein Fest, die Bildformate bieten weiteres Material. Im kleinen Booklet der vorliegenden CD-Version gibt es neben einigen Bildern Linernotes von Cory Grow, Schreiber für das Rolling Stone, Revolver Mag und Guitar World. Schade, dass man nicht die „The End“-CD noch zugepackt hat, welche Überbleibsel aus den Sessions zum letzten Album „13“ enthält und auf Tour sehr überteuert verkauft wurde. Die bleibt dann als Bonus für die Leute, die BLACK SABBATH live verabschiedet haben, auch gut!

Veröffentlichungstermin: 17.11.2017

Spielzeit: 61:31 / 46:35

Lineup:
Ozzy Osbourne – Vocals
Tony Iommi – Guitar
Geezer Butler – Bass
sowie
Tony Clufetos – Drums
Adam Wakeman – Keyboards, Guitar

Label: Eagle Records / Universal

Website: http://www.blacksabbath.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/BlackSabbath

Die Tracklist der CD-Version von „The End – Live At Birmingham“:

CD 1:
1. Black Sabbath
2. Fairies Wear Boots
3. Medley: Under The Sun / Every Day Comes And Goes
4. After Forever
5. Into The Void
6. Snowblind
7. Band Intros
8. War Pigs
9. Behind The Wall Of Sleep
10. Medley: Bassically / N.I.B.

CD 2:
1. Hand Of Doom
2. Supernaut / Sabbath Bloody Sabbath / Megalomania
3. Rat Salad / Drum Solo
4. Iron Man
5. Dirty Women
6. Children Of The Grave (Video bei YouTube)
7. Paranoid (Video bei YouTube)

The Angelic Sessions:
The Wizard (Live Angelic Studios, United Kingdom 2017)
Wicked World (Live Angelic Studios, United Kingdom 2017)
Sweet Leaf (Live Angelic Studios, United Kingdom 2017)
Tomorrow´s Dream (Live Angelic Studios, United Kingdom 2017)
Changes (Live Angelic Studios, United Kingdom 2017)

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!