BENJAMIN RICHTER: Memory Lane

BENJAMIN RICHTER: Memory Lane

Klaviermusik bei vampster??? Warum nicht, welches Genre hat denn die allergrößten Pianoballaden anzubieten?! Zumal BENJAMIN RICHTER auch im Hard`n´Heavy-Zirkus kein Unbekannter ist, der bei seiner eigenen Metal-Band BUTTERFLY COMA und KRYPTERIA gespielt und als Produzent für Bands wie MOONSPELL, CALIBAN und den EMIL BULLS gearbeitet hat. Und um tatsächlich mal einen Promozettel zu zitieren: „… und es soll ja auch insbesondere Rock-Musik-Fans geben, die hin und wieder zarte Töne lieben …“. So ist das, und sicher nicht nur bei Schreiberlingen, welche die Faszination für dieses Instrument neu entdeckten, weil Töchterchen seit einem halben Jahr fleißig Klavier lernt und spielt.

Ja klar, eher den harten Klängen zugewandte Hörer wird das zweite Album des in Berlin lebenden Pianisten nicht zwingend begeistern. Aber was hier geboten wird ist gut gemachte Musik, die nicht wie so oft versucht, nur Klassikthemen in poppige Töne zu packen. Im Gegenteil, BENJAMIN RICHTER packt lieber bekannte Pop-Songs in seine eigene Welt und verpasst ihnen seinen eigenen Stempel oder schreibt sie gleich selbst. Natürlich tauchen Passagen auf, die auch Freunde klassischer Klaviersonaten aufhorchen lassen. Aber letztendlich steht hier das Piano selbst im Vordergrund, und RICHTER schafft es, mit seinem Instrument Geschichten zu erzählen. Begleitet von allerlei anderen Instrumenten, natürlich Streichern, dazu Drums, was das Studioprogramm so hergibt. Stichwort Bilder: Nicht nur beim Opener „Faded“ denkt man schnell an die Künstler, die bei irgendwelchen Castingshows Sandbilder malen und damit – wenn sie gut sind – eine faszinierende Geschichte erzählen. Hierzu scheint RICHTER den passenden Soundtrack zu schaffen. Wer weiß, vielleicht alles schon dazu gehört, wenn sein erstes Album ähnliche Lieder zu bieten hatte. Und wie diese Sandbildgeschichten schreiben auch die Songs hier auf „Memory Lane“ zumeist eine Geschichte, die zum Träumen einlädt. Man mag genauer hinhören und den Instrumenten gezielt lauschen, oder man versinkt im Klangbild und schwebt davon. Das klappt bei den eigenen Kompositionen, aber auch bei den vertretenen Coversongs wie dem hier entschleunigt präsentierten Partyhit „In The Shadows“ von THE RASMUS oder ED SHEERAN´s „I See Fire“, das nur mit Klavierklängen auskommt. Wird es hingegen aufgeblasener wie bei „Scenes From A Memory“ mit kitschigem Zirkus-Gedingel oder der „Odissea Veneziana“, dann wird es auch mal too much. Das ist dann eher für Leute, die bereits zum Frühstück RÓNDO VENEZIANO oder als Hard Rocker theatrale MEAT LOAF/STEINMAN-Sachen hören.

Aber mag man nun die ruhigeren Klänge bevorzugen oder doch lieber den Bombast, alles wird meisterlich vorgetragen, tut nicht weh und gute Musik bleibt gute Musik. Diese hier wird allerdings an den meisten vampster-Lesern vorbeiziehen. Wer jedoch bei ähnlichen Acts wie z.B. 2CELLOS gern mal rein hört, der liegt auch mit BENJAMIN RICHTER genau richtig. Und wer doch mal irgendwo bei den entsprechenden Shows hängenbleibt und fasziniert den Kunstturnacts oder eben Sandmalern zuschaut, der sollte mal genau hinhören. Wenn die Begleitmusik gefällt, die gibt es genau hier.

VÖ: 11.08.2017

Spielzeit: 42:44 Min.

Lineup:
Benjamin Richter – Piano, Produktion

Label: SONY Classical

Website: https://www.facebook.com/richterpianomorte

Tracklist:
1. Faded
2. Innermost
3. The Pretender
4. Odissea Veneziana
5. Scenes From A Memory
6. In The Shadows
7. Now. Here
8. Don´t Let Me Down
9. Be Still My Heart
10. I See Fire
11. V.
12. Adagio

Teilen macht Freude:

Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!