BEASTMILK: Climax

BEASTMILK: Climax

Prall gefüllt sind die Zitzen dieses Biests um die vielen Jungen zu säugen. Die Milch daraus ist freilich nicht nur nahrhaft, sondern auch voller Substanzen, die einen fiebrigen Tanz auslösen, immer dem Höhepunkt entgegen. BEASTMILK provozieren allein schon mit ihrem Namen, dem Titel ihres Debütalbums und dem Artwork, aber die Musik hat keine Effekthascherei nötig. Das finnische Quartett um den englischstämmigen HEXVESSEL-Sänger Kvohst schreibt Songs von apokalyptischer Wucht, von Charles Manson-artigem Wahnsinn und ist dabei so eingängig und sexy, dass es sofort in die Beine geht. Die zehn Songs auf Climax sind größtenteils wild und zwingend, mit einer Energie und Coolness, die dem Post Punk, so gut wie immer fehlt.

Das Genre ist momentan wieder angesagt, dennoch haben BEASTMILK eine Sonderstellung: Statt sich in Selbstmitleid zu baden, drücken die Finnen das Gaspedal durch, rocken mit beachtlicher Heaviness, statt traumwandlerisch den SISTERS OF MERCY, JOY DIVISION und KILLING JOKE hinterher zu hecheln ist es bei BEASTMILK die Wildheit der DEAD KENNEDYS und MISFITS, die Climax dominiert. Und in der Tat, gerade wenn bei BEASTMILK die Post abgeht, bei schnellen Stücken wie Death Reflects Us, The Wind Blows Through Their Skulls, You Are Now Under Our Control, Fear Your Mind, Love In A Cold World und Surf The Apocalypse reißen sie gnadenlos mit, da stimmen die eingängigen Riffs von Goatspeed, der grandiose an Ian Curtis erinnernde exzellente Gesang mit seinen starken Melodien und die beherzte Arbeit an den Rhythmusinstrumenten. Über weite Strecken ist Climax mit seinem schweißtreibenden Hedonismus, das dieses Genre authentisch in dieses Jahrhundert überführt, sensationell.

Die langsameren Stücke, mit Ausnahme von Genocidal Crush sind aber nicht die Schokoladenseite von BEASTMILK, Ghosts Out Of Focus, Nuclear Winter und Strange Attractors – obwohl das durchaus ein solider Abschlusstrack ist – wollen nicht so recht zünden. Den Gesamteindruck dieses Debütalbums können sie nicht zerstören, dafür ist der Rest des Materials zu stark. Auch die Produktion hat Anteil an der Klasse von Climax: Kurt Ballou scheint als Produzent auf den ersten Blick ein Fehlgriff zu sein, aber seine Arbeit ist das gewisse Etwas, das der Musik fehlte. Immerhin, Ballou hat die gleichen punkigen Einflüsse wie BEASTMILK und verschafft nicht nur sein typisch raues, aber wuchtiges Soundgewand, wer die EP Use Your Deluge gehört kann schon vermuten, dass viele kleine Ideen mit großer Wirkung wie rhythmisches Klatschen und choraler Backgroundgesang auf sein Konto gehen.

Ob die Zitzen des Biests auch noch genügend Milch für kommende Alben bietet, oder ob zu Climax schon alles verkleckert wurde bleibt abzuwarten. Davon abgesehen darf man aber dem Hype glauben: BEASTMILK sind wirklich verdammt gut, die Mischung aus finnisch-coolem Rock und der englischen Düsternis passt perfekt zusammen. Ihr Album Climax beweist das auch trotz ein paar weniger gelungenen Songs, BEASTMILK schütteln mit einer unvorstellbaren Lockerheit eine große Ladung grandioser Songs ganz locker aus dem Ärmel. Ob das nun Post Punk, Goth Rock oder sonst was ist, kümmert nicht. Denn das ist der Stoff, aus dem neue Klassiker sind.

Veröffentlichungstermin: 6. Dezember 2013

Spielzeit: 38:33 Min.

Line-Up:
Kvohst – Vocals
Goatspeed – Guitars
Arino – Bass
Paile – Drums

Produziert von Kurt Ballou
Label: Svart Records

Homepage: http://www.beastmilk.me/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Beastmilk

Tracklist:
1. Death Reflects Us
2. The Wind Blows Through Their Skulls
3. Genocidal Crush
4. You Are Now Under Our Control
5. Ghosts Out Of Focus
6. Nuclear Winter
7. Fear Your Mind
8. Love In A Cold World
9. Surf The Apocalypse
10. Strange Attractors

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