AT THE GATES: To Drink From The Night Itself

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Wenn AT THE GATES etwas machen, dann machen sie es richtig. Ohne Kompromisse, ohne Zugeständnisse. AT THE GATES sind die Streber unter den skandinavischen Death Metal-Bands. Raffinierter, eigenständiger, schlauer als die Anderen – und spätestens mit „Slaughter Of The Soul“ stilprägend und Inspiration für unzählige Death Metal-Bands.

Mit „To Drink From The Night Itself“ haben sie jetzt nicht nur ein musikalisch überragendes Album aufgenommen, sondern gleich ein Konzeptalbum über Kunst, Widerstand, Individualität und Integrität gemacht – offenbar ist AT THE GATES alles andere eine Nummer zu klein. Und auch diesmal haben sie alles richtig gemacht: „To Drink From The Night Itself“ übertrifft die Erwartungen – und die waren nach dem 2014er Comeback-Album „At War With Reality“ hoch. Als Klassenbester muss man damit halt leben – die Schweden können das offenbar.

„To Drink From The Night Itself“ übertrifft alle bisherigen AT THE GATES-Alben

Die Musterschüler brachten es mit „At War With Reality“ fertig, 20 Jahre später dort weiterzumachen, wo sie einst den Weg ebneten für intelligenten und vertrackten Death Metal, der dank eingängiger Melodien viel zugänglicher und eingängiger scheint als er tatsächlich ist. „At War With Reality“ ist ein eindrucksvoller Leistungsnachweis und hat ein „Sehr Gut“ verdient: Es ist alles drin, was man von AT THE GATES erwartet. Und im Gegensatz zu den Klassenbesten, die zwar alles können, sich aber auch mehr oder weniger clever den Umständen anpassen, waren AT THE GATES immer wütend, immer aggressiv, immer angepisst – und zeigten dies auch.

AT THE GATES suchen Perfektion

Auf „To Drink From The Night Itself“ erfinden sich AT THE GATES nicht neu, aber sie perfektionieren ihren Stil. Wo „At War With Reality“ noch wie eine Sammlung von Songs wirkte, die an verschiedenen Orten und unterschiedlichen Zeiten entstand, ist „To Drink From The Night Itself“ eine Legierung aus all dem, wofür AT THE GATES stehen: Härte, Virtuosität, Melodie und eine brutale Ehrlichkeit – eng miteinander verbunden, nur wer sich intensiv damit beschäftigt, erkennt noch die Einzelteile.

Das Konzept geht auf – trotz des Weggangs von Anders Björler

„To Drink From The Night Itself“ ist wesentlich düsterer als alle bisherigen AT THE GATES-Alben. Stellvertretend für alls zwölf Songs sei hier nur „The Colours Of The Beast“ erwähnt, ein Killersong, der mal eben knapp 30 Jahre Bandgeschichte in weniger als vier Minuten zusammenfasst. Rasende Wut, ergreifende Melodie, ein cleverer Aufbau und natürlich Tomas Tompa Lindbergs unverkennbare Vocals. Mit DISFEAR zeigt er seit Ende der Neunziger, wie Crustpunk geht – und THE LURKING FEAR war seine Kampansage an die verweichlichte Death Metal-Szene. Dieser Man hat eine unfassbare Energie – und mit dem Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss eine anspruchsvolle Vorlage für sein Konzept auf „To Drink From The Night Itself“ ausgesucht.

Auch den Ausstieg von Gitarrist Anders Björler stecken AT THE GATES einfach weg, für ihn kam mit Jonas Stålhammar (THE LURKING FEAR, BOMB OF HADES, ex-THE CROWN) ein alter Bekannter – der sich nahtlos in die Gemeinschaft einfügt. Das ist fast ein bisschen ungerecht Anders Björler gegenüber, aber man hört im Grunde nichts vom Besetzungswechsel.

Eine neue Dimension für „To Drink From The Night Itself“: Rob Miller als Gastmusiker

at-the-gates-to-drink-from-the-night-itself-boxsetSchade ist nur, dass AT THE GATES das absolute Highlight des Albums nicht allen präsentieren: Sie haben vier der Album-Songs mit Gastmusikern aufgenommen und auf die Bonus-CD „AT THE GATES – With The Pantheons Blind: Daggers Of Black Haze“ gepackt. Diese liegt nur verschiedenen Sammler-Versionen der Platte bei. Darunter ist auch eine Version von „Daggers Of Black Haze“, gesungen von Rob Miller (TAU CROSS, AMEBIX) – und damit geben AT THE GATES ihrer Musik schlussendlich doch noch eine neue Dimension. Die beschwörenden Vocals von Rob „The Baron“ Miller geben dem Song noch mehr Tiefe, noch mehr Ausdruck – und zeigen gleichzeitig wie zeitlos ein Song im Stil von „Blinded By Fear“ auch zig Jahre später noch klingen kann. Aber vielleicht passt das ja auch zum Konzept des Albums: Es geht um Kunst – und „To Drink From The Night Itself“ ist ein Gesamtkunstwerk, zu dem auch das Textblatt und das Coverartwork gehört.

Wer das ganze Paket will, sollte sich unbedingt eine der Limited Editions besorgen, zumal die LP-Box mit zusätzlichen (und in diesem Fall wirklich wertigen) Gimmicks wie Patch, Anstecker, Kunstsdrucken und Aufklebern ihr Geld wert ist.

VÖ: 18. Mai 2018

Label: Century Media

AT THE GATES – “To Drink From The Night Itself“ Tracklist

1. Der Widerstand
2. To Drink From The Night Itself (Video bei YouTube)
3. A Stare Bound In Stone (Video bei YouTube)
4. Palace Of Lepers
5. Daggers Of Black Haze (Video bei YouTube)
6. The Chasm
7. In Nameless Sleep
8. The Colours Of The Beast
9. A Labyrinth Of Tombs
10. Seas Of Starvation
11. In Death They Shall Burn
12. The Mirror Black

Bonus CD
„AT THE GATES – With The Pantheons Blind: Daggers Of Black Haze“

1. Daggers Of Black Haze – Featuring – Rob Miller (AMEBIX, TAU CROSS)
2. The Chasm – Featuring Per Boder (GOD MACABRE)
3. A Labyrinth Of Tombs – Featuring – Mikael Nox (CRAFT)
4. The Chasm (Demo)
5. The Mirror Black – Featuring – Rob Miller

Besetzung
Tomas Tompa Lindberg − Vocals
Jonas Stålhammar  – Gitarre
Martin Larsson − Gitarre
Jonas Björler − Bass
Adrian Erlandsson − Drums

Mehr im Netz
www.atthegates.se
facebook.com/AtTheGatesOfficial

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...