ARMORED SAINT: Carpe Noctum

ARMORED SAINT: Carpe Noctum

Fast dreißig Jahre nach „Saints Will Conquer“ meldet sich mit ARMORED SAINT eine der besten Live-Bands dieses Planeten endlich mit einem neuen Live-Album zurück. Die Songs auf „Carpe Noctum“ wurden beim 2015er Wacken-Auftritt sowie einer Headliner-Show in Aschaffenburg mitgeschnitten. Es handelt sich also nicht um den Mitschnitt einer Show, sondern um eine Mischung, was beim anhören aber nicht wirklich auffällt, es sei denn natürlich, man war bei einer der Shows dabei, so wie der Verfasser dieser Zeilen in Wacken. 2015 wurde das Album über pledgemusic finanziert, jetzt schiebt Metalblade das Teil noch als regulären Release in die Regale.

Kann bei einem ARMORED SAINT Live-Album irgendwas schief gehen? Nein, nicht wirklich. Die Band legt mit dem Titeltrack ihres starken, aktuellen Albums „Win Hands Down“ und lässt über die volle Distanz nichts, aber auch gar nichts anbrennen. Wer nicht spätestens beim zweiten Song, der Bandhymne „March Of The Saint“ bangend vor der Anlage sitzt hat Heavy Metal wohl nicht verstanden. Und wieso die Band mit einem Hit wie „Last Train Home“ nicht reich geworden ist will mir nicht in den Kopf. Auch „Left Hook From Right Field“ von „La Raza“ geht neben den großen Klassikern nicht unter.

Steht da wirklich eine Band mit über dreißig Jahren Geschichte auf der Bühne? Klar, die Performance auf „Saints Will Conquer“ war noch mal eine Ecke ungestümer und energiegeladener aber zwischen diesen beiden Scheiben liegen wie gesagt drei Dekaden. ARMORED SAINT haben hier immer noch mehr Power als so mancher Newcomer und sind nebenbei spielerisch auf absolutem Top-Niveau unterwegs. Und zu John Bushs Gesangsperformance muss man ja eigentlich keine Worte mehr verlieren. Der Kerl ist einfach einer der besten Metalsänger überhaupt.

Ansagen gibt es so ziemlich keine, man lässt lieber die Musik sprechen. Und das ist bei der recht knappen Spielzeit auch gut so. Denn jetzt komme ich mal zum einzigen Kritikpunkt. Das erste Album nach fast dreißig Jahren, eine Diskographie, die immerhin sieben Studioalben umfasst und dann ist nach acht Songs und nicht mal vierzig Minuten Schluss? Ernsthaft? War der ganze Rest des mitgeschnittenen Materials unbrauchbar oder was? Somit ist die Songauswahl natürlich stark begrenzt. Zwei Songs vom aktuellen Album, einer vom Vorgänger, je zwei von „March Of The Saint“ und „Symbol Of Salvation“ sowie „Aftermath“ von „Delirious Nomad“. Das 2000er Comeback „Revelation“ sowie „Raising Fear“ aus 1987 bleiben komplett außen vor.

Ich hätte mir nach der langen Zeit wirklich etwas mehr erhofft. Aber immerhin soll das Album laut Metalblade zum Special Price auf den Markt kommen – was auch immer das heißen mag. Davon abgesehen gibt es an „Carpe Noctum“ nichts auszusetzen. Die Songs sind allesamt Granaten und die Produktion schafft perfekt den Spagat zwischen rauem Live-Feeling und fettem Sound. Ein hervorragendes Live-Album einer überragenden Live-Band.

Veröffentlichungstermin: 24.02.2017

Spielzeit: 38:50

Line-Up:
John Bush – vocals
Joey Vera – bass
Jeff Duncan – guitar
Phil Sandoval – guitar
Gonzo Sandoval – drums

Label: Metalblade Records
Homepage: www.armoredsaint.com

MySpace: www.facebook.com/thearmoredsaint

Tracklist:
01. Win Hands Down
02. March of the Saint
03. Stricken by Fate
04. Last Train Home
05. Mess
06. Aftermath
07. Left Hook from Right Field
08. Reign of Fire

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