ALDA: Alda & Tahoma (Re-Releases)

ALDA: Alda & Tahoma (Re-Releases)

Als naturverliebter Black-Metal-Freund kennt man ALDA selbstverständlich. So auch ich, das Problem ist nur: Ich fand sie nie so gut. Woran lag’s? Schließlich werden sie nicht erst seit dem Deaf-Forever-Special über Öko-Black-Metal als geniale Pioniere dieses Stils gehandelt. Vielleicht lag’s an der fehlenden Verpackung! Gut, dass das rührige Eisenwald-Label sich ein Herz gefasst hat und die drei Alben der Band aus dem Pacific Northwest der USA in Deluxe-Versionen neu auf den Markt geworden hat.

Sturm & Drang & eine spannende Hintergrund-Geschichte

Dabei gab es das Debüt-Album (2009) gar nicht auf dem Markt. Es ist, das lernen wir aus den Liner-Notes, damals gratis auf Shows verteilt worden. Die Band war gerade den Teenager-Jahren entwachsen und lebte zusammen in einer Art Hausprojekt in Tahoma, nachdem einige von ihnen zuvor obdachlos gewesen waren (über diese Geschichte hätte ich gerne mehr erfahren, schade, dass die Liner-Notes nur eine Seite lang sind!), und die Musik klingt dementsprechend nach Sturm und Drang; alles muss raus, was in den Herzen wühlt, und wie so oft steht die mangelnde Erfahrung dem dann im Weg, so dass das Album, in nur zwei Tagen im Studio unter Zeitdruck live eingespielt, nicht ganz ausgewogen klingt – aber hey, das ist Black Metal, das darf so. Sowieso geht es doch in erster Linie um die Songs, und die zeigen schon ein hohes Bewusstsein für Atmosphäre, Melodie und Struktur; die Leidenschaft der Jugend ist spürbar, erst recht natürlich, wenn man vorher von ihr gelesen hat. Vor allem „Vail“ besticht durch seine erhabene Dynamik aus herrlich wehmütigem Instrumental-Intro und brutaler Black-Metal-Raserei. Insofern ja, die Verpackung macht’s, aber die Musik überzeugt dann schließlich auch.

„Tahoma“ – nicht nur eine Stadt, auch ein klasse Album für’s Wandern drumrum

Was für das Debüt-Album gilt, gilt umso mehr für „Tahoma“ (2011), das Zweitwerk. Das Cover ziert ein für Black-Metal-Verhältnisse ungewöhnlich farbiges Naturgemälde, das sich – ebenso wie beim Debüt – im Digipak zusammengefaltet nochmal größer findet. Von der leicht psychedelisch anmutenden Ästhetik sollte man sich nicht täuschen lassen, auch auf „Tahoma“ dominiert der elegische atmosphärische Black Metal mit Neofolk-Elementen, der mal an AGALLOCH, mal an WOLVES IN THE THRONE ROOM erinnert. Auf der Rückseite des Bildes lese ich nicht nur, dass das Cover-Gemälde von einer Freundin der Band extra für das Album angefertigt wurde, sondern auch, wie die Geschichte der Band weitergeht: „Tahoma“ wurde im Keller des Hausprojekts aufgenommen, d.h. ohne Zeitdruck, und die Songs konnten sich organisch auf zahlreichen Shows zwischen ebenso zahlreichen Camping-Trips in die umliegenden Wälder entwickeln. Das hört man: „Tahoma“ klingt kompositorisch reifer, der Klang ist trotz des fehlenden Studios nicht schlechter als auf dem Debüt (sondern besser: weniger Bass = mehr Black Metal!), und sowohl Verzweiflung über die im Zuge der kapitalistischen Industrialisierung angegriffenen Natur als auch die Liebe zu ihr triefen aus jeder Sekunde. Mit dem herrlich eingängigen Lead im Opener „In The Wake Of An Iron Wind“ machen ALDA diesmal auch einen Haken bei „die Hörerin direkt am Anfang aufhorchen lassen“ und haben dem Debüt damit direkt was voraus.

Handelt es sich nun also um Pflichtkäufe? Sicherlich in erster Linie für Sammler und musikhistorisch Interessierte, für diese aber dafür umso mehr. Musikalisch gibt es mittlerweile ausgereiftere Werke in diesem Genre, aber wer sich für die Wurzeln interessiert und Authentizität schätzt, muss ALDA – nicht zuletzt aufgrund ihrer interessanten Geschichte – auf jeden Fall kennen und lieben. Die Re-Releases erleichtern und verschönern dieses Vorhaben ungemein; dafür ein herzlicher Dank, Eisenwald!

Spielzeiten: „Alda“ 32:00 Min.; „Tahoma“ 50:20 Min.
Veröffentlicht im Sommer 2018 auf Eisenwald
ALDA auf Bandcamp

ALDA „Alda“ Tracklist

1. Scattered On The Wind
2. Fimbulwinter
3. The Seed And The Hailstone
4. Vail
5. Venom In The Waters
6. The Evergreen Womb

ALDA „Tahoma“ Tracklist

1. In The Wake OF An Iron Wind
2. Adrift
3. Tearing Of The Weave
4. Shadow Of The Mountain
5. Wandering Spirit

Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.