ADVERSUS: Einer Nacht Gewesenes

ADVERSUS: Einer Nacht Gewesenes

Über mancher Rezension hängt man oft Tage, um die richtigen Worte zu finden. Einer Nacht Gewesenes ist eine solche CD-Besprechung, denn die Musik von ADVERSUS lässt sich nur schwer in eine Handvoll Sätze packen. Nicht dass Einer Nacht Gewesenes keinem Genre zuzuordnen ist – schließlich kann man beiläufig erwähnen, dass das Album Gothic-, Mittelalter-, Neoklassik-, Electro- und Folk-Elemente fleißig durchmischt – viel mehr offenbart sich die Schwierigkeit darin, dass das Album eine derart in sich geschlossene Einheit darstellt, die mit einer Vielzahl von Details gespickt ist, die eine im Rahmen bleibende Besprechung schier unmöglich macht.

Das Konzept des Albums, das sich als Einheit zwischen Musik, Lyrik und Artwork (das Album, das in einer DVD-Box ausgeliefert wird, beinhaltet ein reich illustriertes 24-seitiges Booklet, für dessen Ölgemälde ADVERSUS-Mastermind Rosendorn verantwortlich zeichnet) verstanden wissen will, folgt dem Wechselspiel zweier in die Welt geworfener Seelen, die einander begegnen und binnen einer einzigen Nacht eine ganze Beziehungslaufbahn durchleben. Den Vergleich zu einer modernen Großstadt-Tragödie in düster-romantischen, zeitlosen Gewand liefert die Band selbst.

Schon daraus lässt sich ableiten, dass Einer Nacht Gewesenes keineswegs ein Album zum Zwischendurchhören ist, sondern seine Zeit und Ruhe erfordert. Zwar muten die meisten Melodien auch nebenher konsumiert angenehm an, doch blieben einem der Grundgedanke und der Erfahrungswert des Konzeptalbums verschlossen. Und damit hat auch das Album zu kämpfen, denn wie viele Leute haben schon knapp 80 Minuten Zeit, um sich intensiv mit einer Musik zu beschäftigen, die einen unablässig fordert – sowohl, was die akustische Aufnahmefähigkeit anbelangt, als auch, was die Nachvollziehbarkeit der Texte betrifft. Ich, für meinen Teil, hatte Schwierigkeiten, mir dann und wann diese Auszeit vom Alltag zu nehmen, um in die Welt von ADVERSUS einzutauchen. Doch im Falle des Gelingens hat mich das Album dann doch in seinen Beschlag genommen.

Aber bevor ich mich nun in Gefahr begebe, den oben erwähnten Rahmen zu sprengen, blicken wir oberflächlich auf die Musik des Albums, das sich inhaltlich in die drei Bereiche Abend, Nacht und Morgen gliedert. Diese Tagesabschnitte werden jeweils durch diverse Übergangsstücke eingeleitet, wie auch einzelne Tracks – quasi als roter Faden – nur gesprochen vorgetragen werden. Der Großteil des Albums bleibt aber musikalisch und integriert ein buntes Sammelsurium an Instrumenten, die sich der Dynamik und Atmosphäre des musikalisch-lyrischen Tagesablaufs dienlich erweisen. Romantisch-verträumte Melodien sind hier ebenso zu finden, wie kalte Electro-Beats und metallische Gitarren. Einen ähnlichen Head-to-Head Vergleich nehmen auch die Vocals auf, die zum einen mit elfenhaften Frauenstimmen und zum anderen mit Giftzwerg-artigen Männergeschimpfe aufwarten.

Eine weitere Besonderheit am Album sind die vielschichtigen Arrangements, die die unterschiedlichen Instrumente – teilweise mit verschiedenen Melodien -, die variablen Vocals und die stimmungsvollen Synthesizer-Teppiche und Samples übereinander legen. Darüber hinaus vollziehen die Tracks oftmals abrupte Stil- und Rhythmuswechsel, die man nicht immer einfach so hinnehmen kann, ohne dass einem ein disharmonisches Hörgefühl anheim fällt.

Ich kann es drehen und wenden, wie ich will: mir fällt es nach wie vor schwer, Einer Nacht Gewesenes in die passenden Worte umzusetzen, damit man sich ein Bild vom Album machen könnte. Ebenso schwer fällt es, eine Kaufempfehlung abzugeben. Ich würde lügen, wenn ich sagte, das Album hätte mir nichts gegeben, aber ich würde ebenso wenig die Wahrheit aussprechen, wenn ich nicht zugäbe, dass ich Zweifel habe, jemals mit dem Album ganz vertraut zu werden. Doch vielleicht mangelt es mir einfach auch nur an der notwendigen Zeit und Ruhe…

Veröffentlichungstermin: 01.11.2005

Spielzeit: 77:51 Min.

Line-Up:
Carsten Bassmeister Hundt – Kontrabass

Lestaria – Violine

Manja Tyrae Gückel – Stimme

Rosendorn – Stimme, Lyrik und Komposition

Susanne – Stimme

Tanja – Klarinette, Keyboard, Flöte

Thomas Tommy Steuer – Gitarren

Label: Sonorium

Homepage: http://www.adversus.de

Tracklist:
Abend:

1. Dämmerung

2. Die letzte Glocke

3. Komm´ oh Tod

4. Abendklang

5. Die Nihilistenhymne (Seelenwinter II)

6. Die Zeit steht still

Nacht:

7. Und dann: Ein Blick

8. Deiner Schönheit gewahr

9. Borderlineprinzessin

10. Stille atmet leise Nacht

11. Dies ist offensichtlich

12. Schlafe wohl

13. Träume weiter, schönes Kind

Morgen:

14. Ein Sehnen

15. Spinnenbein und Falkenherz

16. Kalt, dieser Morgen

17. Morgenstille

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Christian Wögerbauer

Seit 2005 bei Vampster und Lieferant für Reviews, News, Live-Berichte und -Fotos.

Genres: Doom, Death, Gothic, Sludge