ABORTED: The Necrotic Manifesto

ABORTED: The Necrotic Manifesto
ABORTED braucht man niemanden mehr vorzustellen, der sich in den letzten Jahren nur ansatzweise mit grindigen Death-Metal auseinandergesetzt hat. Werke wie das Zweitwerk Engineering The Dead und dessen Nachfolger Gormageddon: The Saw And The Carnage Done sind mir bis heute wohlwollend im Gedächtnis geblieben und wandern zu Recht des öfteren in den CD-Player. Nach dem schöpferischen Tiefpunkt Striychine.213 verlor ich die Belgier allerdings etwas aus den Augen. Die zwingend notwendige Auffrischungskur erhielt ABORTED durch diverse Personalwechsel, sodass Global Flatline wieder ein richtig gutes Album werden konnte und den Fehltritt vergessen lies. Auch wenn das Line-Up auf The Necrotic Manifesto an den Gitarren schon wieder ein anderes ist als vor zwei Jahren (Danny Tucker und Mendel bij de Leij sind neu dabei) scheint man im Hause ABORTED durchaus wieder zu Konstanz zurückgefunden zu haben und schickt zwei Jahre nach Global Flatline den Nachfolger ins Rennen.
The Necrotic Manifesto bolzt nach einem kurzen Intro in allerbester Grind-Manier unaufhaltsam nach vorn. Besonders auffällig ist das extrem brutale und extrem schnelle Drumming, was The Extirpation Agenda sofort in deine Gehirnwindungen einprügelt. Die Riffs gehen zwar nicht ähnlich direkt ins Ohr wie die dominierende Schießbude, stiften im Zusammenspiel mit dem Organ von Svencho dennoch ordentlich Chaos. Und auch im Titeltrack spielen ABORTED ihre Stärken aus, drosseln hier und da die Geschwindigkeit für Nackenübungen der besonderen Art und streuen melodische Soli in ihre Horror-Phantasien ein. 
Die erste Überraschung hört auf den Namen An Enumeration of Cadavers, welche intensiv beginnt, sich dann aber schlagartig in seiner Form wandelt und durch melodische Leads eine starke NECROPHOBIC-Schlagseite erhält. Diese Verschmelzung von Brutalität und düsterer Atmosphäre steht dem Sound von ABORTED überraschend gut und könnte in Zukunft gerne häufiger zu finden sein. Ein weiterer Song, der recht untypisch für die Belgier tönt, ist die CARCASS-Homage Coffin Upon Coffin, die mich tatsächlich stutzten lies, ob es sich nicht um eine Coverversion der Engländer handelt. Denn Schlagzeugtakte, Riffs und Phrasierung des Gesangs klingen stark nach Material von Heartwork,  was allerdings eher als Kompliment angesehen werden kann. 
 
Ähnlich wie BENIGHTED, die auf der Bonus-CD ihres neuen Albums erst kürzlich eine Coverversion von RAMMSTEINS Du riechst so gut veröffentlichten, scheinen auch ABORTED Gefallen an der hiesigen Landessprache gefunden zu haben und präsentieren mit Die Verzweiflung einen Song mit deutschen Lyrics. Man hört zwar, dass hier kein Muttersprachler singt, aber der Fokus liegt eh auf dem apokalyptischen Riffing, was von zäh walzenden Double-Bass Attacken befeuert wird und live sicher eindrucksvoll einschlägt. In eine ähnliche Richtung driftet auch der Abschluss Cenobites, der besonders durch seine einprägsamen, sphärischen Shredding-Passagen und dem abschließenden Solo The Necrotic Manifesto einen mehr als würdigen Schlusspunkt setzen.
Der neue Release von ABORTED schließt nahtlos an die Qualität von Global Flatline an. Der Sound ist wuchtig, die Stimmung morbide und die Songs überaus schädelspaltend. Fans vom Vorgänger werden auch das neue Material lieben, denn Kritikpunkte gibt es wenige. Ihren Sound erfinden die Belgier mit The Necortic Manifesto natürlich nicht neu, sind aber immerhin erfolgreich um Abwechslung bemüht, sodass das nunmehr achte Album ihrer Karriere eine runde Sache ist.

Veröffentlichungstermin: 25.04.2014

Spielzeit: 42:39 Min.

Line-Up:

Sven Svencho De Caluwe – Gurgloroth 
Mendel Bij De Leij – Flesh Upon The Razor Wire 
Danny Tunker – Immaculate Resection 
JB van der Wal – Nocturnal Pulse 
Ken Bedene – Hymen Blaster 

Produziert von Jacob Hansen
Label: Century Media Records

Homepage: http://www.goremageddon.be/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Abortedofficial

Tracklist:

01. Six Feet Of Foreplay 
02. The Extirpation Agenda 
03. Necrotic Manifesto 
04. An Enumeration Of Cadavers 
05. Your Entitlement Means Nothing 
06. The Davidian Deceit 
07. Coffin Upon Coffin 
08. Chronicles Of Detruncation 
09. Sade & Libertine Lunacy 
10. Die Verzweiflung 
11. Excremental Veracity 
12. Purity Of Perversion 
13. Of Dead Skin & Decay 
14. Cenobites