ABORTED: Strychnine.213

ABORTED: Strychnine.213

Auf ihren Lorbeeren haben sich ABORTED nicht ausgeruht. Keine anderthalb Jahre nach dem großartigen Slaughter & Apparatus ballern sich die Belgier durch ihr neues Werk Strychnine.213, welches ein paar neue Elemente beinhaltet und die Band deutlich moderner klingen lässt. Keine Angst, das sechste Album des wüsten Gespanns zeigt keine Anbiederungen in Richtung Deathcore. Zumindest fast nicht. Trotz neuer Wagnisse wirkt es allerdings ein wenig müde.

Müder Death Metal? Nun, irgendwie will das Material nicht so Arsch treten, wie man es von dieser Band gewohnt ist. War das, was es auf Slaughter & Apparatus zu hören gab, noch intensiv und brutal bis zum Abwinken, verlieren sich ABORTED leider des öfteren in mäßig interessanten Songregionen, die oftmals geprägt werden von fetten, aber austauschbaren Grooves, die teilweise im Metalcore beheimatet zu sein scheinen. So ist beim Opener Ophiolatry on a Hemocide Platter allein die schwedisch klingende Leadgitarre richtig mitreißend. Auch Songs wie Pestiferous Suberfuge und Enterrement of an Idol haben nicht das tödliche Potenzial, welches die Band früher versprühte. Eine Menge Blast Beats, Abwechslung und Melodien hin oder her.

Irgendwie scheint es ein paar Arrangement-Probleme zu geben, gerne verlieren einige Songs an Drive, wenn die Geschwindigkeit reduziert wird, es wirkt dann ein wenig zahnlos und orientierungslos. Auch die Synthies in The Chyme Congeries schaden dem Song eher, als dass sie ihm helfen. Wenigstens gibt es mit A Murmur in Decrepit Wits einen echten Hit, der ABORTED verdammt stark zeigt. Zu Beginn schleppend und boshaft, mausert sich die Nummer zu einer kleinen, sehr kontrastreichen Hymne, die Vergleiche zu den Koryphäen CARCASS und AT THE GATES nicht zu scheuen braucht. Auch in I35, Hereditary Bane und Avarice of Vilification gibt es verflucht gute Ideen zu hören, doch auch hier kann die Intensität nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden.

Strychnine.213 hat ein massives Soundgewand, äußerst talentierte Musiker, vor allem den neuen Drummer Daniel Wilding, und einige tolle Ideen zu bieten. Die Zusammenführung dessen ist jedoch nicht hundertprozentig geglückt, vor allem nicht so gut wie auf der Vorgängerscheibe. Auch der Gesang von Sven de Caluwé schien in der Vergangenheit wilder und gnadenloser. Die Aggression ist noch deutlich da und gegen Ende wird das Material doch ein wenig mitreißender. Höhere Lautstärke und Konsum über Kopfhörer haben übrigens auch ihren Anteil an vermehrtem Hörspaß. Will heißen, dieses Album ist sicherlich kein Totalausfall, nur eben nicht vollgestopft mit erstklassigem Material, wie Slaughter & Apparatus. Hätten sich ABORTED mehr Zeit gelassen, hätte dies locker eine weitere Hitscheibe werden können.

Veröffentlichungstermin: 20. Juni 2008

Spielzeit: 37:10 Min.

Line-Up:
Sven de Caluwé – Vocals
Sebastien Tuvi – Guitars, Vocals
Peter Goemaere – Guitars
Sven Janssens – Bass
Daniel Wilding – Drums

Produziert von Eric Rachel
Label: Century Media Records

Homepage: http://www.goremageddon.be

Tracklist:
1. Carrion
2. Ophiolatry on a Hemocrite Platter
3. I35
4. Pestiferous Subterfuge
5. The Chyme Congeries
6. A Murmur in Decrepit Wits
7. Enterrement of an Idol
8. Hereditary Bane
9. Avarice of Vilification
10. The Obfuscate

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