3: The Ghost You Gave To Me

3: The Ghost You Gave To Me

Die Balance zwischen Zugänglichkeit und verschachtelten Arrangements ist vielleicht die Königsdisziplin im Progressive Rock. Anstatt dieses Dilemma mittels verkopfter Theorie zu lösen, wählen 3 auf The Ghost You Gave To Me genau den richtigen Ansatz, indem sie die Songs für sich selbst sprechen lassen. Die größte Stärke ihres neuesten Werks ist zweifellos die Natürlichkeit, mit der sich die einzelnen Stücke vor dem Hörer entfalten. Nichts ist erzwungen, der Fluss der Musik ist nahezu beispiellos.

Natürlich ist dafür in Teilen auch die recht klare und eingängige Struktur mancher Songs verantwortlich. Vor allem React eröffnet die erste Hälfte von The Ghost You Gave To Me nach dem stimmungsvollen Intro mit einer ruhigen, gesangsfokussierten Strophe und gipfelt in einem simplen, aber verdammt hartnäckigen Refrain mit Ohrwurmgarantie. Dieses Zugeständnis an die Massentauglichkeit rettet sich auch in das folgende Sparrow, welches anspruchsvolles Riffing auffährt, dieses jedoch nicht zu verschachtelt präsentiert. Der Schlüssel zu diesem leicht zugänglichen Auftakt ist dabei der variable Gesang von Joey Eppard: Gefühlvoll, nie zu schwachbrüstig und dennoch stets melodisch zaubert dieser immer dann eine wunderbare Gesangslinie hervor, wenn ein Song abzuflauen droht.

Beeindrucken ist überdies die Spielfreude, mit der 3 an ihr neues Album herangehen. Verspielte Arrangements wie in High Times sind keine Seltenheit, die Gitarren haben stets ein paar Leads und Riffwände in der Hinterhand, um auch die geradlinigste Songidee interessant auszugestalten. The Ghost You Gave To Me hat davon abgesehen allerdings noch weit mehr zu bieten und stützt sich nicht ausschließlich auf diesen direkten, unverkrampften Songtypus. Hits vom Schlage eines Afterglow sind einerseits integraler Bestandteil von 3s zeitgemäßem Ansatz, punkten aber erst so richtig, wenn sie in Kontrast zu deftigem oder verspieltem Material gesetzt werden. Numbers etwa erinnert in seinen leisen Momenten an die ruhige Seite von THE DILLINGER ESCAPE PLAN, bevor mit schweren Riffs ein düsterer Ton angeschlagen und damit die Vielschichtigkeit des Progressive-Genres ausgeleuchtet wird. Während Pretty und der Titeltrack im Vergleich typische Progressive-Kost sind, zeigt dagegen das sechsminütige One With The Sun mittels Akustikgitarren und kreativer Arrangements, dass auch ein ruhiges Stück originell und unverbraucht klingen kann.

Sieht man vom erwähnten Afterglow ab, so wandelt sich The Ghost You Gave To Me mit zunehmender Spieldauer von einem verhältnismäßig geradlinigen Rock-Album zu einem ausgefeilten Progressive-Schwergewicht, das in It´s Alive stellenweise moderne MASTODON zitiert und in Only Child insbesondere im Gitarrenbereich fantasievolle wie spannende Akzente setzt. Dieser Wandel geschieht, wie eingangs erwähnt, so flüssig und natürlich, dass 3 zu keiner Zeit den Verlust der ach so wichtigen Balance fürchten müssen. The Ghost You Gave To Me saugt den Hörer mit locker aus dem Handgelenk gespieltem Material in eine Welt, die sich im weiteren Verlauf als ungemein tiefgründig herausstellt. Nicht nur Fans von COHEED AND CAMBRIA dürften anschließend Probleme haben, diese Klanglandschaft ohne den Gedanken an eine baldige Rückkehr wieder zu verlassen.

Veröffentlichungstermin: 07.10.2011

Spielzeit: 54:27 Min.

Line-Up:
Joey Eppard – Vocals, Acoustic Guitar, Guitar
Billy Riker – Guitar
Daniel Grimsland – Bass, Backing vocals
The Gartdrumm – Drums, Backing Vocals

Produziert von 3
Label: Metal Blade

Homepage: http://theband3.com
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/theband3

Tracklist:
01. Sirenum Scopuli
02. React
03. Sparrow
04. High Times
05. Numbers
06. One With the Sun
07. The Ghost You Gave to Me
08. Pretty
09. Afterglow
10. It´s Alive
11. Only Child
12. The Barrier

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