vampster Jahresrückblick 2017 von Daniel

 

01. WITHERFALL: Nocturnes And Requiems
witherfall “Nocturnes And Requiems” CD CoverWas für ein Debüt! Klar, bei WITHERFALL spielen keine Greenhorns sondern erfahrene und hochtalentierte Musiker. Aber trotzdem kam „Nocturnes And Requiems“  für mich ziemlich überraschend. Dieser schon auf dem ersten Album so unglaublich perfekte, atmosphärisch dichte und spielerisch herausragende progressive Power Metal ist einfach das beste, was dieses Jahr meine Gehörgänge gestreift hat. Ich hoffe nur, dass die Band dieses Niveau halten kann und auch live in der Lage ist, ihre musikalische Vision standesgemäß umzusetzen.

 

 

02. SORCERER: The Crowning Of The Fire King
sorcerer_crowning of the fire king CoverDas es noch mal so knapp werden würde für WITHERFALL, damit hätte ich nicht mehr gerechnet. Vor allem, da das 2015er Debütalbum der schwedischen Epic Doomer SORCERER irgendwie keinen massiven Eindruck bei mir hinterlassen hatte. Aber mit „The Crowning Of The Fire King“ haben SORCERER das Doom-Highlight des Jahres abgeliefert und sind nur ganz knapp am Album des Jahres für mich vorbei geschrammt. Die sieben makellosen Hymen zwischen Doom und epischem Heavy Metal sind jedenfalls allerfeinster Edelstahl, der seinen Feinschliff durch den überragenden Sänger Anders Engberg erhält.

 

03. JAG PANZER: The Deviant Chord
jag panzer the deviant chord coverBeste klassische Heavy Metal-Scheibe 2017? Eine ganze Weile lang, war das ziemlich sicher „Darkness Remains“ aus dem Hause NIGHT DEMON. Und verdient hätten die Jungs diesen Titel auch. Aber JAG PANZER gehören nun mal zu meinen absoluten Favoriten und haben auf ihrem zehnten Album einfach alles richtig gemacht. Hymnischer US Power Metal, wie ihn eben nur JAG PANZER in dieser Qualität abliefern können. Das man mit Harry „The Tyrant“ Conklin“ nun mal den vielleicht besten, noch aktiven, Metalsänger überhaupt in seinen Reihen hat, hilft natürlich. Wer als klassische Metalband aus den Achtzigern nach über dreißig Jahren Bandgeschichte noch so ein abwechslungsreiches, traditionsbewusstes aber zu keiner Sekunde altbacken klingendes Album auf die Reihe bekommt, gehört heilig gesprochen.

 

04. WARBRINGER: Woe To The Vanquished
Seit ihrem Debüt aus 2008 haben sich die kalifornischen Thrasher mit jedem Album gesteigert. Bisheriges Highlight ist dieses Biest namens „Woe To The Vanquished„, mit dem WARBRINGER die gesammte Konkurrenz in Sachen Thrash mal soeben pulverisiert haben. Man muss schon einiges auf dem Kasten haben, um KREATOR den Titel um das Thrash-Album des Jahres streitig zu machen. Abwechslungsreich, spannend und dennoch gnadenlos! Das stärkste Album der so ziemlich besten Band aus der Welle neuerer Thrash Metal-Truppen. Davon abgesehen waren WARBRINGER auch die erste Band seit lange, zu der ich mich mal wieder zu einem Interview aufraffen konnte.

 

 

05. NIGHT DEMON: Darkness Remains
Mit ihrem Debüt „Curse Of The Damned“ hatten mich NIGHT DEMON schon bei den Eiern. Bodenständiger, ehrlicher Heavy Metal, der seine Inspiration vor allem aus der NWOBHM zieht. Mit „Darkness Remains“ haben es NIGHT DEMON tatsächlich geschafft, ihr famoses Debüt noch mal zu überbieten. Auch live haben NIGHT DEMON dieses Jahr gezeigt, dass sie zu den heißesten Bands der Stunde zählen.

 

 

06. PORTRAIT: Burn The World
Portrait Burn The World CD CoverApropos Bands die mit jedem Album besser werden. Hier ist noch so eine. War das Debüt noch eher liebenswert rumpelig, so sind PORTRAIT inzwischen in der Champions League des klassischen Heavy Metals made in sweden angekommen. Zwischen theatralischer Epik und Speed Metal-Massaker ist bei PORTRAIT alles drin und das immer auf höchstem Niveau. Diese Band ist längst viel mehr als ein KING DIAMOND/MERCYFUL FATE-Soundalike. Die Tour mit RAM und TRIAL in wenigen Wochen dürfte eines der Highlights meines Konzertjahres werden.

 

 

07. KREATOR: Gods Of Violence
Wenn KREATOR ein neues Album veröffentlichen, stellt sich eigentlich nicht die Frage, ob die Platte es in meinen Jahrespoll schafft, sondern nur auf welcher Position. Auf ihrem vierzehnten Album „Gods Of Violence“ präsentieren sich die Essener abwechslungsreich und musikalisch anspruchsvoll wie selten zuvor, immer wieder nah am klassischen Heavy Metal, auch wenn die Basis natürlich immer Thrash Metal bleibt. Und mit einem Song wie „Side By Side“ ist Mille wie immer auch textlich ganz nah am gesellschaftlichen Puls.

 

 

08. ERUPTION: Cloaks Of Oblivion
Die Underground-Überraschung des Jahres. Metalbands aus Slowenien, kannte ich bisher keine. Da habe ich mit ERUPTION anscheinend direkt einen Glückstreffer gelandet. Der Power Thrash, den die Band auf ihrem dritten Album zelebriert hat jedenfalls internationale Klasse. Eine geniale Mischung aus NEVERMORE, Bay Area Thrash sowie klassischem US Power Metal. Ich hoffe, dass die Band mit diesem Album den Erfolg einfährt, der ihr zusteht. Zumindest scheinen ERUPTION, der Anzahl der positiven Rezensionen nach zu urteilen mit „Cloaks Of Oblivion“ deutlich auf sich aufmerksam gemacht zu haben.

 

09. IMMOLATION: Atonement
Auf IMMOLATION ist Verlass. Eine der besten Death Metal-Bands überhaupt liefert 2017 mit „Atonement“ ein weiteres Stück brachialen, epischen und finsteren Death Metal ab. Keine Band klingt wie IMMOLATION – dazu tragen Robert Vignas eigenwillige Riffs genauso viel bei wie Ross Dolans charismatische, kellertiefe growls. Death Metal ohne Firlefanz – einfach nur mächtig und zermalmend!

 

 

10. WALPYRGUS: Walpyrgus Nights
Mit ihrem Debüt haben sich WALPYRGUS etwas Zeit gelassen, das erste Demo erschien immerhin schon 2014. Dafür ist „Walpyrgus Nights“ aber auch ein richtig geiles Stück melodischer US Metal geworden. Stellenweise gar nicht so weit von TWISTED TOWER DIRE, bei denen immerhin drei der fünf Musiker ebenfalls beschäftigt sind entfernt bieten WALPYRGUS aber noch etwas mehr. IRON MAIDEN-Harmonien hier, eine  gewisse punkige Rotzigkeit da – das alles ergibt acht hochmelodische Ohrwürmer, die man als Genre-Fan unbedingt gehört haben sollte. Leider scheint die Scheibe in der Veröffentlichungsflut ein wenig untergegangen zu sein. Wenn Ihr das hier lest – gebt der Band unbedingt ne Chance!

 

 

Knapp nicht in die Top 10 geschafft haben es die aktuellen Alben von TRIAL, OVERKILL, PAGAN ALTAR, MIDNIGHT, DEGIAL und VENENUM sowie viele andere, sehr starke Veröffentlichungen. 2017 war insgesamt tatsächlich ein ziemlich starkes Jahr für Heavy Metal in all seinen Spielformen.

 

ARCH ENEMY: Will To Power
ARCH ENEMY Will To PowerARCH ENEMY zählten ehrlicherweise noch nie zum Kreis meiner favorisierten Bands, ich konnte ihrer Musik bisher aber zumindest etwas abgewinnen. Was die Schweden aber mit „Will To Power“ abgeliefert haben ist einfach nur ganz großer Käse. Ein uninspiriertes „Auf Nummer sicher“ Pop Metal-Album, auf dem einzig die spielerischen Fähigkeiten der Musiker positiv hängen bleiben. Die Songs wirken konstruiert und völlig austauschbar. Dass diese Scheibe für diverse Metalheads zu den Highlights des Jahres zählt entzieht sich vollkommen meinem Verständnis. Geschmack hin oder her – generischer Mist ist generischer Mist. Das konnten ARCH ENEMY früher deutlich besser.

 

 

Ansonsten gab es mal wieder so manche mittelmäßige, unnötige Scheibe deren Erwähnung hier aber zu viel der Ehre wäre.

 

 

01. PSYCHOTIC WALTZ im Turock, Essen
Nach einigen Festival-Auftritten kam ich Ende Juni 2017 endlich in den Genuss einer Headliner-Show der Prog Metal-Götter PSYCHOTIC WALTZ. Und die Amis um Frontmann Devon Graves haben alle Erwartungen erfüllt. Eine traumhafte Setlist, eine herausragende Performance und sogar ein neuer Song – mehr konnte man sich kaum wünschen. Ok, ein Patch für meine Kutte wäre schön gewesen aber man kann nicht alles haben. Hoffentlich klappt es 2018 mit dem Comeback-Album!

02. SATAN im JUZ Live Club, Andernach
Vielleicht eine der besten und leider viel zu wenig beachteten Reunions der letzten zehn Jahre. Zwei Alben, die es problemlos mit den Band-Klassikern aus den Achtzigern aufnehmen können und trotz des hohen Alters live eine Macht! Was diese Herren an Spielfreude und positiver Energie verbreiten lässt so manche deutlich jüngere Band einfach nur blass aussehen. In dieser Form gerne noch mal zehn Jahre.

 

Negative Erlebnisse gab es im persönlichen Bereich mehr als genug. Positiv ist vor allem die Vorfreude auf unsere kleine Tochter, die voraussichtlich im April 2018 das Licht der Welt erblicken wird. Aber auch die Tatsache, dass ich, nach einem Jahr mehr oder weniger unfreiwilliger Auszeit, wieder Artikel für vampster schreibe machte mich 2017 zumindest etwas glücklicher.

 

Das Jahr 2017 als ganzes war für mich persönlich sowie meine Familie eine einzige Katastrophe. Bleibt zu hoffen, dass 2018 deutlich besser wird.

Auf Politik und Gesellschaft bezogen stimmt mich der Einzug einer in Teilen offen rechtsradikalen Partei in den Bundestag traurig und wütend zugleich. Egal, was es an der aktuellen Politik und an sonstigen Missständen zu kritisieren gibt – braun wählen ist keine Lösung. Das sollte doch eigentlich noch im kollektiven Gedächtnis der Deutschen verhaftet sein. Offensichtlich nicht bei jedem.

 

 

Fuck off and die 2017!