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DONG OPEN AIR 2003: Der Festivalbericht

Live vom 18.08.2003   drucken senden



Das DONG OPEN AIR ist ein kleines zweitägiges Sommerfestival in Neukirchen-Vluyn (in der Nähe von Duisburg), welches zwar dieses Jahr bereits zum dritten Mal stattfand, bisher aber weitgehend unbemerkt von der breiten Metalöffentlichkeit blieb. Dies sollte sich in diesem Jahr ändern. Durch die Verpflichtung der Engländer SKYCLAD als Headliner gab es eine Menge Publicity. Dennoch blieb das DONG OPEN AIR auch in diesem Jahr eine kleine, überschaubare Veranstaltung mit familiärem Charakter und etwa 500-600 Besuchern. Nach einer Security hielt man vergeblich Ausschau, die Sanitäter hatten offenbar auch fast nichts zu tun, und es herrschte eine rundum friedliche Atmosphäre. Richtig kultig war dieses Jahr die Location. Da der Standort der letzten Jahre nicht beibehalten werden konnte, musste ein Ersatz her. Fündig wurde man schließlich auf dem Dongberg, einer ehemaligen Halde. Zwar war es ärgerlich, dass man den Berg nicht mit dem Auto hochfahren durfte und bei der unerträglichen Hitze - an beiden Tagen war am Himmel weit und breit keine Wolke zu sehen - zu Fuß hinaufkraxeln musste, um Festival- und Campinggelände zu erreichen, doch entlohnt wurde man mit einem tollen Ausblick auf die Umgebung. Und ein Metal-Festival auf einem Berggipfel hat schließlich auch was. Was das DONG OPEN AIR so besonders machte, war die Tatsache, dass alles noch von den Veranstaltern selbst in die Hand genommen wurde. Vom Verkauf von selbstgebackenen Waffeln und Kuchen bis zur Getränkeversorgung. Einzig eine fremdbetriebene Pommesbude gab es dieses Jahr auf dem Gelände. An den Preisen können sich andere Festivals - auch im Undergroundbereich - ein Vorbild nehmen. Die 0,5l-Flasche Bier ging für gerade mal 1,- EUR über die Theke, ein Stück Kuchen gab es für 0,50 EUR. Der geringe Eintrittspreis von 11 EUR im Vorverkauf war wohl auch nur dadurch möglich, dass die Bands sich mit geringen Gagen zufrieden gaben. Einzig die Tatsache, dass die Sonne die ganze Zeit ins Zelt, in dem die Bands auftraten, hineinschien, fiel noch negativ auf, denn dadurch ist es wohl zu erklären, dass sich am Samstag ein Großteil des Festivallebens nicht im Zelt, sondern auf dem Campinggelände abspielte, wo es noch den ein oder anderen schattigen Platz gab. Auch ist über die Einrichtung eines Shuttlebusses nachzudenken. Da auch musikalisch eine überaus ansprechende Mischung aus folkigen Klängen und Metal fast jeder Spielart geboten wurde und es bis auf die erwähnten Kritikpunkte und die nicht vorhandenen Duschen, die man aber bei einem Festival dieser Größenordnung auch nicht unbedingt erwarten kann, keinerlei größere Mängel gab, kann man wohl von einem rundum gelungenen Festival sprechen.


Freitag, 18.07.2003


FOLKEDUDL

Eröffnet wurde das diesjährige DONG OPEN AIR mit einiger Verspätung von den Veranstaltern höchstselbst, befinden sich in deren Reihen doch einige Musikanten, die sich zur der Formation FOLKEDUDL zusammengeschlossen haben. Und dieser Name könnte passender kaum sein, denn dadurch, dass die Kapelle einen Saxophonisten in ihren Reihen hatte, konnte man ihre Musik in der Tat als Folkgedudel bezeichnen. Der erwähnte Saxophonist, der der Musik ab und an auch einen leicht jazzigen Touch verpasste, gab dem Folk Metal dann auch eine ganz eigene Note, denn folkige Melodien hört man auf diesem Instrument nicht alle Tage. Beachtenswert auch die Spielweise des Bassisten, welcher fast durchgängig die Tapping-Technik einsetzte, um seinem Instrument Töne zu entlocken. So war der Auftritt von FOLKEDUDL ein netter Festivalauftakt, leider aber nicht mehr. Zum einen hatte die Band mit einem recht bescheidenen Sound zu kämpfen - der Gesang war zunächst kaum zu hören, die Gitarre war fast durchweg zu leise -, zum anderen schien die Stimme der Sängerin nicht gerade trainiert, so dass die guten Ansätze - das immer wieder eingestreute rasante, fast schon Blastbeat-artige Drumming könnte ausgebaut werden - zum Teil wieder zunichte gemacht wurden. Außerdem sollte noch dringend am Auftreten gearbeitet werden, welches etwas unsicher wirkte, insbesondere die Ansagen sind noch ausbaufähig. Zumindest ihre eigene Anhängerschar aber bejubelte die Band mit lauten Zugaberufen, und mit etwas mehr Erfahrung ist mit FOLKEDUDL mit Sicherheit noch zu rechnen, da die Band doch einen ziemlich eigenständigen, wenn auch gewöhnungsbedürftigen Sound fährt.


OSYRIS

Was dann kam, war mit Abstand das Highlight des ersten Festivaltages, und es ist zu hoffen, dass OSYRIS aus Ahlen in Zukunft nochmal an höherer Position im Billing dabei sein werden. Gleich bei den ersten Tönen war klar, dass die Band in einer ganz anderen Liga spielt als der Opener. Der leicht progressive, technische Power Metal moderner Prägung, der etwas an NEVERMORE oder auch PANTERA (aufgrund des Stakkato-Riffings) erinnerte, lockte die Leute scharenweise an, so dass es im Zelt ordentlich voll war. Songs wie "Taken By Force" luden förmlich zum Moshen ein, so dass in den ersten Reihen keiner mehr still stand. Die technische Versiertheit, gepaart mit den äußerst abwechlsungsreichen Vocals von Bastian Becker, der von extrem hohem Gesang (stimmlich dem JACOBS DREAM-Frontmann nicht unähnlich) bis zu aggressiven Schreien und Grunts alles beherrschte und einsetzte, und ausgefeiltem Songwriting wussten sofort zu begeistern, und Songs wie "Faster Than Light" besitzen zudem wahre Ohrwurmqualitäten, ohne auch nur im Entferntesten in die Happy Metal-Richtung zu tendieren. Garniert wurde all dies mit einem mehr als souveränen Stageacting und ebensolchen Ansagen. Frontmann Bastian stand nie still, stürmte von einer Ecke der Bühne zur anderen und heizte dem Publikum ordentlich ein. Am Ende wurden OSYRIS nicht nur von ihrem mitgebrachten Fanclub abgefeiert, die geforderte Zugabe musste aus Zeitgründen jedoch leider entfallen. Dennoch ein voller Erfolg für die Ahlener, die im Anschluss verdientermaßen noch eine ganze Reihe CD's losgeworden sind.


BURDEN OF GRIEF

Den OSYRIS-Auftritt konnten BURDEN OF GRIEF dann keinesfalls toppen. Dabei wusste ihr hochmelodischer, mit vielen zweistimmigen Gitarrenleads versehener Death Metal durchaus zu gefallen, wenn auch die starken Einflüsse aus dem klassischen Heavy Metal ihrer Musik zwangsläufig einen leichten Göteborg-Touch gaben. Bereits als dritter oder vierter Song wurde "Prowler" angestimmt, welches sich nahezu perfekt in den eigenen Sound einfügte, was einmal mehr zeigt, wie stark die Band im Heavy Metal verwurzelt ist. Leider war bei diesem Song das zweite Mikro völlig übersteuert, was den Genuss dieser ansonsten sehr gelungenen Coverversion etwas minderte. Ansonsten aber war der Auftritt von einem sehr guten, transparenten Sound gesegnet, so dass die Finessen der zweistimmigen Gitarrenparts alle herauszuhören waren. Trotz Tempovariationen - von Midtempoparts bis zu Songs wie dem rasend schnellen "Frozen Pain" oder dem pfeilschnellen, gleichwohl melodischen "Smashed To Pieces" - war die Musik der Band allerdings etwas zu eintönig, es fehlten die Spannungsmomente. Gar nicht gut taten dem Stimmungsbarometer auch die langen Pausen zwischen den einzelnen Songs, die dem Ganzen etwas die Energie nahmen. Das ständige Gejammere von Sänger Mike Huhmann darüber, wie heiß es doch sei und dass er gleich kaputt gehe, war auf Dauer leider etwas nervig. Dennoch kamen BURDEN OF GRIEF bei den DOA-Besuchern so gut an, dass eine Zugabe drin war.


RATSBANE

Nach all den metallischen Klängen, die die Ohren bluten ließen, waren RATSBANE mit ihrem fröhlichen, leicht punkigen Folk-Rock, der ab und an mal an SKYCLAD (etwa der Stil von "Penny Dreadful") erinnerte, eine sehr willkommene Abwechslung. Das sahen aber leider die meisten anders, wurde die Band doch von einem großen Teil der Leute mit Desinteresse bestraft, wohl weil ihnen die Musik nicht metallisch genug war. So verblieben nur wenige Leute im Zelt, die dafür umso mehr Platz hatten, um das Tanzbein zu schwingen, was auch ausgelassen getan wurde. Der von der irischen Folklore geprägte Sound der Band, die als einzige typische Folkinstrumente diverse Flöten dabei hatte, war aber auch wirklich so mitreißend, dass es verdammt schwer fiel, einfach nur still zu stehen und die Musiker zu beobachten. Besonders gelungen waren die bis zu dreistimmigen Vocals. Manchmal waren diese leider so schnell, dass man kaum ein Wort verstanden hat. Um so ärgerlicher, weil die amüsanten Ansagen so vielversprechend waren, dass man von den Texten einiges erwarten konnte. Ob RATSBANE nochmal auf einem Metal-Festival auftreten werden, ist fraglich. Die wenigen aufgeschlossenen Zuhörer, die der Band ihre Aufmerksamkeit schenkten, machten aber immerhin lautstark ihre Anerkennung deutlich.


NIGHT IN GALES

NIGHT IN GALES waren musikalisch ihren Kollegen von BURDEN OF GRIEF nicht ganz unähnlich, hatten aber die zwingenderen Songideen und gingen um einiges abwechlsungsreicher vor, etwa durch durch den gelegentlichen Einsatz von cleanem Gesang. Dieser kam größtenteils ziemlich gut rüber und lag nur ab und zu mal leicht neben der Spur. NIGHT IN GALES spielten ihren Death/Thrash arschtight, so dass es in dem zu Beginn beengend vollen Zelt einen ständigen Moshpit gab und bei nahezu jedem Song diverse Crowdsurfing-Versuche unternommen wurden. Dass diese mit zunehmender Spieldauer weniger erfolgreich waren, lag daran, dass sich die Reihen irgendwann begannen zu lichten. Ob die Leute nun einfach platt waren oder sie nicht am Gelände übernachteten und ihren letzten Bus kriegen mussten, ist mir nicht bekannt. Fakt ist aber, dass dieses Phänomen auch am nächsten Tag wieder einsetzte, als SKYCLAD ihren über alle Zweifel erhabenen Headliner-Gig spielten. Beim Auftritt von NIGHT IN GALES wussten sowohl die älteren Sachen, die noch eher nach einem IN FLAMES-Plagiat klangen, als auch die deutlich eigenständigeren neueren Songs zu gefallen, da bei aller Härte immer genug Platz für Melodien eingeräumt wurde. Leider gab es dann gegen Ende des Gigs einen Stromausfall. Während alles so aussah, als ob der erste Festivaltag damit beendet sei, war nach fast zehn Minuten plötzlich wieder Saft da, so dass NIGHT IN GALES ihren Auftritt doch noch regulär beenden konnten. Richtig cool war dabei das SLAYER-Cover "Raining Blood", welches auch nochmal einige müde Krieger zurück ins Zelt lockte. Daumen hoch!


Samstag, 19.07.2003


VIOLET

VIOLET hatten dann am Samstag mittag die undankbare Aufgabe, die Leute aus ihren Zelten zu holen. Dafür war ihre Musik aber nicht besonders gut geeignet, lädt die ruhige Mittelalter/Gothic-Mixtur der Westfalen doch eher zum entspannten Zuhören ein denn zum Moshen, so dass sich wie zu Erwarten nur die Frühaufsteher und Folkfanatiker, die auch am Tage zuvor bei RATSBANE dabei waren, im Zelt eingefunden hatten. Der Aufforderung von Frontfrau Bianca, sich doch lieber hinzusetzen, kamen die wenigen Anwesenden sofort nach, so dass nicht so recht Stimmung aufkommen wollte und die Musik von VIOLET nur höflich beklatscht wurde. Dabei klang diese ziemlich eigenständig. Neben den "üblichen" Instrumenten wie Geige und Dudelsack konnte die Kapelle nämlich noch mit einem Hackbrett aufwarten. Dessen glockenartiger, heller Klang hatte eine ebenso bezaubernde Wirkung wie der zweistimmige sirenenartige Gesang von Bianca und Sarah, welcher jedoch auf Dauer etwas nervig war, wie auch die ständigen Feedbackprobleme. Mit einem eigenwillig interpretierten "Palästinalied" beendeten VIOLET ohne viel Aufsehen ihren Auftritt. Vielleicht hätte man die Band nicht zu so früher Stunde spielen lassen sollen, denn als Wachmacher ist diese beinahe schon hypnotische Musik nun wirklich denkbar schlecht geeignet.


PSYCHOTRON

Das Problem, wenn eine Band eine weite Anreise hat, wie es bei PSYCHOTRON aus Stuttgart der Fall war, ist eindeutig, dass man keine Anhängerschaft mitbringen kann. Und so kam es, dass die Power-Thrasher, die den Dong-Besuchern offenbar noch gänzlich unbekannt waren, sich damit zufrieden geben mussten, vor vielleicht 30 oder 40 Leuten ihre Musik darzubieten. Die Jungs ließen sich dadurch jedoch nicht demotivieren und hauten den Anwesenden routiniert, aber mit viel Spielfreude, ihren an alte Bay Area-Bands erinnernden, technisch anspruchsvollen Thrash Metal um die Ohren, zu dem sich wunderbar die Haare schütteln ließen, wie immerhin eine Handvoll Metalfans erkannte. Richtig cool war dabei die Stagediving-Aktion eines Besuchers, der sich von einer Menge von gerade Mal zwei Leuten tragen ließ, was Sänger Matze, der heute einen ordentlichen Job machte, sichtlich amüsierte. Überhaupt war der Frontmann der Stuttgarter richtig gut drauf und geizte nicht mit humorvollen Ansagen, so dass man sich nach jedem Song fragte, was jetzt wieder für ein Kalauer kommen möge. Beim TESTAMENT-Cover "Disciples Of The Watch", das die Band ja auch schon des öfteren live gespielt hat, flippten dann immerhin ein paar Metalheads so richtig aus, dem Rest schien dieser Klassiker offenbar unbekannt zu sein oder nichts zu bedeuten. PSYCHOTRON gaben sich reichlich Mühe und ließen auch musikalisch nichts anbrennen - verdammt schade, dass das von so wenigen Zuhörern honoriert wurde.


ANTIFREEZE

Nach einer Verschnaufpause an einem schattigen Plätzchen, der leider die Black Metaller ABADDON und die Old School-Thrasher WITCHTOWER zum Opfer fielen, wurde bei ANTIFREEZE härtemäßig gleich mehrere Gänge zurückgeschaltet, wofür sich Sänger Daniel Hiller, den manche vielleicht eher von SKYCONQUEROR kennen, auf sympathische Weise entschuldigte. Wäre doch nicht nötig gewesen, etwas Abwechlsung kann doch nur gut tun. Mir jedenfalls gefiel der recht softe Melodic Metal/Hard Rock der Münsterland-Connection ausgesprochen gut. Zum einen geht dieser verdammt gut ins Ohr, zum anderen hat man mit Daniel Hiller einen wirklich starken Sänger in seinen Reihen, dessen klasse mittelhohe Stimme sehr eigenständig klingt, offenbar wird hier nicht krampfhaft versucht, irgendjemanden zu kopieren. Überhaupt kommt die ganze Musik wie auch die Musizierenden selbst sehr natürlich und damit überaus sympathisch rüber, bei aller Eingängigkeit sucht man Ähnlichkeiten zu all den HELLOWEEN-Kopien vergeblich. Stattdessen kann man immer wieder mit einigen coolen progressiven Einschüben aufwarten, die die Songs interessanter machen, aber nie gekünstelt oder deplatziert wirken. Manchmal wünscht man sich zwar eine zweite Gitarre, die der Musik von ANTIFREEZE mehr Fülle geben würde, doch alles in allem konnten die Jungs durchaus überzeugen, so dass die Band, die in einem moderat gefüllten Zelt spielen durfte, reichlich Applaus ernten konnte.


SUN OF SADNESS

SUN OF SADNESS waren mir als die Band in Erinnerung, die auf ihrer Homepage ihr komplettes neues Album zum Download anbieten, weil sich kein neues Label gefunden hat. Gespannt wartete ich also darauf, was man live von der Combo zu erwarten hatte. Nun ist es für düsteren Gothic Metal, wie ihn SUN OF SADNESS spielen, nicht gerade stimmungsförderlich, wenn dieses bei grellem Sonnenschein geschieht. Vielleicht mit ein Grund, warum der Funke zumindest bei mir nicht so recht überspringen wollte. Doch auch wenn man mal von diesen ungünstigen äußeren Umständen absieht, konnte mich der Auftritt nicht überzeugen. Man muss dieser Musik - harter, oftmals treibender Düster-Metal mit beinahe schon Black Metal-artigem Gekeife - einfach eine gewisse Gefühlsarmut attestieren, und selbst wenn dies von der Band so gewollt sein sollte, so ist dies für mich einer der Gründe, warum mit die Musik nicht so recht zusagen will. Eine Ausnahme bildet der Song "Liebe", der von Sänger Martin hoch emotional vorgetragen wurde. Ansonsten aber herrschte trotz der Hitze im Zelt eisige Kälte, auch ähnelten sich die einzelnen Songs zu sehr, als dass sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen könnten. Mag sein, dass SUN OF SADNESS zu späterer Stunde einen besseren Eindruck gemacht hätten, dieser Auftritt jedenfalls konnte mich nicht mitreißen.


HATEFACTOR

Die Krefelder Death Metaller HATEFACTOR sorgten dann wieder für ein volles Zelt und einen großen Moshpit. Auf melodische Parts verzichteten die Jungs völlig, einzig ein paar Gitarrensoli konnten so etwas wie eine Melodie aufweisen, so dass sie umso stärker von den anderen Parts abhoben. Ansonsten wurde teilweise ordentlich geschrammelt, größtenteils aber im Midtempo gegroovt ohne Ende. Dabei hatten HATEFACTOR jede Menge zwingende Killer-Riffs am Start, bei denen selbst Leute, die nicht unbedingt beinharte Death Metaller sind, gezwungen waren, ihr Haupt zu schütteln. Als Vorbilder mögen hier wohl SIX FEET UNDER Pate gestanden haben, denn genau in die gleiche Kerbe schlugen die Krefelder, die von der Meute kräftig abgefeiert wurden. Ich würde mir für die Zukunft zwar noch etwas mehr Eigenständigkeit wünschen, dennoch war dies ein sehr gelungener, weil kurzweiliger Auftritt.


ADORNED BROOD

Als ADORNED BROOD dann die Bühne enterten, hätte man den Reaktionen nach meinen können, nun die Headliner vor sich zu haben. Bereits bevor die ersten Töne erklangen, und nachher zwischen den einzelnen Songs, erklangen laute "Für Wotan werd' ich kämpfen"-Chöre, die erst verstummten, als Sänger und Bassist Frost verkündete, dass man den "Wigand" später noch spielen werde. Überhaupt hat man nicht stur das aktuelle Album runtergespielt, sondern auch die älteren Werke wurden berücksichtigt. Dass das "Erdenkraft"- Album trotz, oder vielleicht auch gerade wegen des Wandels weg vom folkigen Black Metal hinzu etwas seichteren Klängen bei den Fans gut angekommen ist, hat sich aber an diesem Abend dennoch gezeigt. Als hunderte Kehlen den Refrain vom "Lebenslied" mitsangen, und dies später nochmal ohne Bandbegleitung, kam schon ein Gänsehautfeeling auf, und irgendwie fühlte man sich dadurch an BLIND GUARDIAN-Konzerte erinnert. Das Highlight war natürlich trotz allem der "Wigand", auf den wohl alle Fans gewartet hatten, und auch hier wurde wieder ordentlich mitgegröhlt. Die Band war an diesem Abend in Topform, sowohl Frost, der das Publikum bestens unter Kontrolle hatte, als auch Sängerin Ingeborg konnten stimmlich vollends überzeugen, die Rhythmus-Sektion spielte tight und machte ordentlich Druck. Dazu war der Auftritt von einem kristallklaren Sound gesegnet, so dass weder die Gitarren noch die virtuosen und zugleich bezaubernden Flötenklänge, die einen immer wieder zum Tanzen animierten, untergingen. Richtig cool war auch, das ADORNED BLOOD einen Kasten Bier spendeten, um mit den Fans eine richtige Party zu feiern. Offenbar war für viele selbst 1,- EUR für eine Flasche Bier zu viel, denn als Frost die Freibier-Aktion verkündete, stürmten einige Leute wie von der Tarantel gestochen nach vorne... Nachdem ADORNED BROOD auch nach ihrer Zugabe noch lautstark von den Fans abgefeiert wurden, war klar, dass die Leute jetzt in der richtigen Stimmung für eine weitere geballte Ladung Folk Metal waren...


SKYCLAD

Diese brach dann in Form des SKYCLAD-Gigs auf die gierige Meute herein, die sich im Zelt versammelt hatte. Für mich, und wahrscheinlich auch für die meisten anderen, war es der erste Auftritt mit Kevin Ridley als Frontmann, so dass die Spannung entsprechend groß war, ob der langjährige Produzent der Band Martin Walkyier wirklich angemessen würde ersetzen können. Und um es gleich vorwegzunehmen: Er konnte, und wie! Zu keiner Sekunde kam einem der Gedanke "Das hätte Martin aber besser gemacht" in den Sinn. Das lag wohl auch daran, dass Kevin die alten Songs deutlich aggressiver sang als man es von den Neuaufnahmen von der "No Daylights Nor Heeltaps"-CD kannte. Einzig seine Ansagen haben sich manchmal ein wenig in die Länge gezogen und könnten mehr auf den Punkt kommen. Das Tolle an diesem Auftritt war aber, dass er voller kleiner Überraschungen steckte. Das fing bereits damit an, dass der Gig ausnahmsweise mal nicht mit "Inequality Street" eröffnet wurde, sondern mit "Penny Dreadful". Weiter ging es damit, dass "Spinning Jenny" in einer Mischversion aus dem Original und der neuen Version vom Akustikalbum dargeboten wurde. Instrumental eher an das Original von 1992 angelehnt, erinnerte es gesanglich mehr an die neue Version, so dass die Stärken der beiden unterschiedlichen Varianten gekonnt vereint wurden. Überhaupt gab man sich deutlich metallischer, als man es nach dem "No Daylights Nor Heeltaps"-Album hätte erwarten können. Und so wurden mit "Earth Mother, The Sun And The Furious Host" sowie "Thinking Allowed" auch einige alte Klassiker ausgegraben, die schon ewig nicht mehr live gespielt wurden und mit denen wohl auch kaum einer gerechnet haben dürfte. Und auch hier machte Kevin mit einer ziemlichen aggressiven Art zu singen eine erstaunlich gute Figur. Aber die eher folkige Seite kam mit Stücken wie "A Great Blow For A Day Job" oder "The Widdershins Jig" (in der neuen Version) natürlich auch nicht zu kurz. Mit "The Disenchanted Forest" vom letzten regulären Studioalbum "FolkŽmon" hatte man zudem eine sehr gelungene Live-Premiere am Start. Die zweistimmigen Vocals von Kevin und Steve waren einfach perfekt, und auch ansonsten funktionierte dieser sperrige Song live richtig gut. Man sah den Musikern, allen voran der barfuß über die Bühne tanzenden George Biddle, zu jeder Sekunde an, wieviel Spaß sie dabei hatten, dem ausrastenden Publikum ein Highlight nach dem anderen um die Ohren zu hauen. Zu diesen zählen übrigens auch die vier Songs vom kommenden Album, welches, wenn das restliche Material die Qualität hält, ein echter Hammer werden dürfte. Insbesondere "The Parliament Of Fools", welches mit einem tollen Mitsing-Refrain daherkommt und eine gesunde Mischung aus Folk- und Metalelementen darstellt (in etwa an "Irrational Anthems" anknüpfend), konnte vollauf begeistern.
Was nach dem regulären Programm folgte, war dann der absolute Wahnsinn. Nach der geplanten Zugabe mit "Emerald" und "If I Die Laughing It'll Be An Act Of God" mussten SKYCLAD noch zweimal zurück auf die Bühne, die Zugaberufe wollten einfach nicht enden. Bei der zweiten Zugabe verriet Kevin dann, dass man nur 21 Songs eingeprobt habe, und die Band spielte einfach "Penny Dreadful" und "Spinning Jenny" ein zweites Mal. Als die Engländer dann ein drittes Mal zurück auf die Bühne kamen, spielten sie nach einigen Diskussionen um die richtigen Akkordfolgen ungeprobt "History Lessens" und "Polkageist", was jedoch beides ohne größere Probleme klappte und von den noch verbliebenen Fans (wie schon am Vortag hatte es während des Gigs eine plötzliche Völkerwanderung hinaus aus dem Zelt gegeben...) begeistert aufgenommen wurde. Deutlich mehr als zwei Stunden standen SKYCLAD auf der Bühne und machten dies somit zum anstrengensten Auftritt, den ich von den sympathischen Engländern bislang erlebt habe und ein würdiger Abschluss für ein gelungenes Festival.

Fotos von NIGHT IN GALES, ADORNED BROOD und SKYCLAD: Veranstalter
Alle weiteren Fotos: doomster


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Es wurden 39 Artikel zu DONG OPEN AIR im vampster-Archiv gefunden.
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