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THE BLACK LEAGUE: Utopia A.D.

CD-Review vom 06.01.2002   drucken senden



Taneli Jarva ist müde geworden. Zumindest legen seine neuen Songs, versammelt auf "Utopia A.D.", diese Annahme nahe. Wo sich auf "Ichor"noch eine gesunde Portion Rebellion fand, wo einst der gestreckte Mittelfinger in Richtung Schicksal ragte, herrscht heute überwiegend Resignation. "Utopia A.D." ist kein rotzig-dreckiger Rock /Metal Bastard mehr, sondern ein düsteres Rockalbum. Da ist die Enttäuschung bei allen, die "Ichor" mochten, natürlich vorprogrammiert. Doch man sollte diesem Album wirklich eine Chance geben.
"Utopia A.D." braucht Zeit. . Der rebellische Geist, mit dem man Rockmusik so gerne assoziiert, fehlt fast völlig, dafür zielt das Album auf die wunden Punkte. Die Songs sind noch immer unverkennbar von THE BLACK LEAGUE, nur die Atmosphäre hat sich gewandelt. Statt auflehnerischer Rebellen-Attidude entwirft dieses Album eine schwarze Zukunft, in der es einfach keine Utopie mehr gibt.

Im Song "To Suffer And To Smile" heißt es:
"I can remember a wise man once said to me:
´I tell you to enjoy life.
I wish I could but it´s too late now`
Too late … "
Was sich hier ziemlich banal liest, gewinnt durch die Stimme von Taneli Jarva an Bedeutung. Im Vergleich zu den früheren Veröffentlichungen von THE BLACK LEAGUE konnte sich Taneli noch einmal steigern und legte auf "Utopia A.D." mehr Gefühl in seine Stimme. Stellenweise erinnert er noch immer an Carl McCoy, doch er bietet mehr als eine simple Gesangspur: Er erzählt Geschichten mit allem, was dazugehört. Flüstern, Jammern, Schreien, Sprechen - keine den Texten angemessene Ausdrucksform fehlt. Was bei anderen Sängern oft pathetisch und aufgesetzt wirkt, passt hier einfach und klingt schonungslos ehrlich.

"Harbour Of Hatred" mit seinen tief baumelnden Gitarren klingt im ersten Moment sehr nach MONSTER MAGNET, doch auch dieser Song geht viel tiefer als ein Drugs´n´Rock´Roll-Track. Gerade dieser Song macht deutlich, wie wichtig bei THE BLACK LEAGUE die Texte sind. "Rex Talionis" gleicht einem letzten Aufbäumen und ist somit auch ein Song, der an "Ichor" erinnert, jedoch haftet auch ihm die bittere Erkenntnis an, dass Wut ergebnislos sein kann. "a/W, The Desert Song" ist einer dieser staubtrockenen Wüstenrockern, wie sie auch schon auf "Ichor" zu finden waren, man denke nur an "Deep Waters". Mit "a/W, The Desert Song" sind THE BLACK LEAGUE aber konsequent einen Schritt weitergegangen, obwohl ein Hoffnungsschimmer da ist, handelt der Song musikalisch wie auch textlich von der Schwierigkeit, diesen Schimmer nicht nur zu sehen, sondern auch zu erreichen.

Insgesamt greifen THE BLACK LEAGUE ständig auf Stilmittel des Rock n´ Roll zurück, doch statt Partymucke spielt die Band einen Soundtrack zu einer Reise zu den unbequemen Seiten des Daseins. Dass sie dabei manchmal in wirres Gejamme abgleiten, sei der Band verziehen - gönnen diese Stellen den Hörer doch eine Art Verschnaufpause, in der man sich von so manchen bitteren Erfahrungen erholen kann. Doch spätestens ein Blick ins Booklet macht klar, dass es THE BLACK LEAGUE ernst meinen. TJarva ist nicht nur ein ausdrucksstarker Sänger, er schreibt auch Texte, die meilenweit vom üblichen oberflächlichen Unsinn vieler Bands entfernt sind.

"Utopia A.D." ist ein Album, das wehtut, da es Wahrheiten schonungslos auf den Punkt bringt. Jeder, der wirklich ehrlich zu sich selbst ist, wird sich in diesen Songs wiederfinden. Und das kann viel deprimierender sein als alle Gothic Bands dieser Welt zusammengenommen.

Tracklist:
Transit Gloria Mundi
Empiria
Voice Of God
Day One
To Suffer & To Smile
Tedium Vitae
Harbour Of Hatred
The Everlasting - Pt. IV
Rex Talionis
Blueskymagic
Citizen Cain
Utopia Anno Zero

Spielzeit: 59:59

Besetzung:
TJarva - Gesang
Alexi Ranta - Gitarre
Maike Valanne - Gitarre
Florida - Bass
Sir Luttinen -Schlagzeug

Label: Spinefarm Records


Veröffentlichungstermin: 07.01.2002

Hompage: http://www.theblackleague.net


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