SHADOW GALLERY, MANTICORA, DIVIDED MULTITUDE, MAPLERUN: Turock, Essen, 16.10.2010

Nachdem ich vor zwei Wochen bereits extra für das Europa-Debüt von SHADOW GALLERY zum ProgPower-Festival nach Baarlo gefahren war, wollte ich mir eigentlich den einzigen Deutschland-Auftritt der Band sparen. Doch der Auftritt in Holland übertraf alle meine Erwartungen, so dass ich mich dann doch auf den Weg nach Essen machte. Schließlich bekommt man derartig geniale Musik nur sehr selten live dargeboten.
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MAPLERUN begannen den Reigen mit rifflastigem Metal und dezenten Hetfield-Einflüssen. |
Den Anfang machten MAPLERUN aus Griechenland. Das Quartett hatte mit Prog nicht viel am Hut, bot dafür um so mehr Heaviness. Schwere Riffs trafen auf ein treibendes Schlagzeug. Ausgeschmückt wurde das Ganze mit relativ klarem Gesang, der häufiger an James Hetfield (METALLICA) erinnerte und für die nötige Eingängigkeit sorgte. Die Songs waren kompakt arrangiert, enthielten aber genug Abwechslung, um nicht monoton zu wirken. Man spürte vom ersten Ton an, wie die Songs in den Musikern pulsierten. Dieses geschlossene Auftreten sollte zusammen mit schlüssigen Tracks wie "Unstable" und dem neuen "So Sad" der Band helfen, in Zukunft bei Fans härterer Klänge zu punkten.
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DIVIDED MULTITUDE nutzen die kurze Spielzeit optimal, um ihren klassischen Prog Metal zu zelebrieren. |
Ursprünglich waren MANTICORA als Headliner angekündigt gewesen, ehe SHADOW GALLERY noch mit auf Billing rutschten. Die Dänen gaben vom ersten Ton an Vollgas und behielten das knapp unterhalb der Thrash-Grenze liegende Tempo den ganzen Gig über bei. Im Mittelpunkt des Geschehens stand ganz klar Sänger Lars F. Larsen, der bestens bei Stimme und ständig in Bewegung war. Der Rest der Band war dagegen sehr mit seinen Instrumenten beschäftigt. Zumindest bei Schlagzeuger Mads Wolf war das nicht verwunderlich. Der Mensch trommelte sich nach allen Regeln der Kunst die Seele aus dem Leib. Musikalisch bedeutete das freilich, dass man 70 Minuten lang einem sprichwörtlichen Trommelfeuer ausgesetzt war, in dem wenig Platz für dynamische Aspekte war, zumal das Schlagzeug durch Trigger noch gleichförmiger klang als gewöhnlich. Die Publikumsreaktionen waren dennoch positiv. Neben diversen Songs von ihrem neuen Album "Safe" haten MANTICORA auch älteres Material wie "Playing God" und die beiden Teile des "Gypsies´ Dance" im Programm. Gegen Ende der Show taute die Saitenfraktion auch langsam auf. Am Ende drängten sich noch DIVIDED MULTITUDE in die erste Reihe und sangen lauthals mit. Mir persönlich fehlte bei dem permanenten Speed Metal-Gewitter die herausstechenden Melodien. Da halfen auch die sporadischen Keyboard-Samples nichts. Die (nicht unbedingt zahlreich) anwesenden Fans der Band waren jedenfalls bestens versorgt und gerockt worden und jubelten entsprechend lautstark.
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Sänger Lars F. Larsen war mit seiner voluminösen Stimme die treibende Kraft bei MANTICORA. |
Reichten bei den ersten drei Bands jeweils zehn Minuten zum Umbau, war SHADOW GALLERY bei weit über eine halbe Stunde nötig. Bevor es richtig los ging, wurde zudem noch "Bohemian Rhapsody" (QUEEN) vom Band eingespielt. Was wie eine Self-Handicapping-Maßnahme wirkte, sollte sich aber als absolut passende Einstimmung auf den folgenden Auftritt herausstellen.
SHADOW GALLERY live! Alleine dieser Punkt verdient einen neuen Absatz. Seit ich vor 16 Jahren das selbstbetitelte Debüt der Band zum ersten Mal gehört hatte, hoffte ich, die göttliche Musik einmal live erleben zu können. Das phänomenale "Carved In Stone"-Album machte noch mehr Hunger und spätestens bei "Tyranny" wäre eigentlich der perfekte Zeitpunkt für einige Konzerte da gewesen. Doch nichts passierte. Meine Hoffnung schwand zunehmend, zumal Chris Ingles die Band zwischenzeitlich verließ, und erreichte ihren Tiefpunkt, als Sänger Mike Baker 2008 verstarb.
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Trotz Erkältung lieferte Gitarrist Brendt Allman (SHADOW GALLERY) einen tollen Auftritt ab. |
Wo in anderen Bands das Ego des Gitarristen niemanden neben sich dudelt, hatten SHADOW GALLERY mit Eric Diegert extra einen weiteren Musiker dabei, der zusätzliche Keyboard- und Gitarrenstimmen beisteuerte. Sprich: Wenn ein Stück bei der Originalaufnahme ein zweistimmiges Gitarrensolo hatte, konnten Gary Wehrkamp und Brendt Allman dies gemeinsam spielen, während das Riffing darunter weiterging. Es waren teilweise eher kleine Feinheiten, die dadurch noch schöner schimmerten. Bei aller Eingängigkeit sind es aber auch gerade diese Feinheiten, die SHADOW GALLERY von der Konkurrenz abheben. Zu guter letzt griff auch Brian Ashland zwischendurch immer wieder zur Gitarre und machte dabei ebenfalls eine ausgezeichnete Figur. Seine Hauptrolle war jedoch die des Frontmanns und Sängers.
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Das Warten hat sich gelohnt: SHADOW GALLERY (im Bild Carl Cadden-James) hatten bei ihrer ersten Tour Songs von allen sechs Alben auf der Setlist stehen. |
Zur Abwechslung folgte die Ballade "Ghost Of A Chance", ehe es eingebettet in Material vom neuen Album Soli von Joe Nevolo (Schlagzeug), Brian Ashland (Gitarre) und Gary Wehrkamp (Keyboard) gab, die aufgrund der nahenden Sperrstunde zum Glück kompakt gehalten wurden. Schließlich gab es noch genügend Songs, die noch größeren Unterhaltungswert besaßen. Für das Finale hatten SHADOW GALLERY zwei weitere Highlights aufgehoben: "Crystalline Dream" (mit wunderschönem Refrain und emotionalem Solo) und "Haunted" (Gänsehautatmosphäre die ganze erste Hälfte über). Entsprechend groß war der Jubel nach jedem Stück. Die Zugabe "Gold Dust" zeigte zwar die Schwächen des jüngeren Songmaterials auf, wurde aber dennoch abgefeiert. Denn mitreißende Mannschaftsleistungen sind im Prog Metal ohnehin selten. Im Fall von SHADOW GALLERY kann man nun aber getrost von einer der wenigen überragenden Live-Bands des Genres sprechen. Hätten WATCHTOWER 2010 nicht für ihre kurzweilige Reunion mit Alan Tecchio genutzt, wären SHADOW GALLERY in dieser Form ganz klar mein Konzert des Jahres gewesen. Aber auch so hat die Band aus Pennsylvania alle Erwartungen übertroffen und sich das Prädikat Weltspitzenklasse redlich verdient. Das Warten hat sich gelohnt!
Im Anschluss an den Auftritt legte der DJ passenderweise "Metropolis Pt. 1" von DREAM THEATER auf. Musikalisch hatte das dasselbe Niveau wie SHADOW GALLERY - und im Vergleich zum Traumtheater war die Schattengallerie live um einiges überzeugender gewesen! Es war sehr schön mitanzusehen, wie Musiker von MANTICORA und DIVIDED MULTITUDE lauthals mitsangen und den Mittelteil fehlerfrei auf dem Luftschlagzeug nachzutrommeln.
SHADOW GALLERY im vampster-Archiv
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