NEAERA: Forging The Eclipse

Sie sind wirklich unermüdliche Arbeitstiere. "Forging The Eclipse" ist bereits das fünfte Album NEAERAs in sechs Jahren seit dem Debüt "The Rising Tide Of Oblivion". Doch es ist zugleich das erste, das trotz gewohnt hoher Qualität ein wenig auf der Stelle tritt. Lässt man das überflüssige Intro mit seinem unglücklichen Übergang beiseite, dann liegt ein Vergleich mit dem Vorgänger "Omnicide - Creation Unleashed" nicht nur sehr nahe, sondern drängt sich sogar ausdrücklich auf.
Das jüngste Rezept der Münsteraner blieb weitgehend unangetastet: Wie schon auf "Omnicide - Creation Unleashed" steht der Death Metal zwischen AT THE GATES und BOLT THROWER im Vordergrund, während die vorsichtigen Black Metal-Einflüsse weiter ausgebaut wurden - das von Blasts und frostigen Gitarren durchzogene "Eight Thousand Sorrows Deep" spricht Bände. Der einzige signifikante Unterschied im Songwriting ist ein vorsichtiger Blick zurück und damit ein minimal gestiegener Melodieanteil, der vor allem in "Rubikon" zur Geltung kommt. Ganz so wütend und verbittert wie "Omnicide - Creation Unleashed" ist "Forging The Eclipse" in der Folge nicht mehr. Das muss an und für sich nichts Schlechtes sein, doch versäumen es NEAERA diesmal leider, eine klare Entwicklung vorzuweisen - die Band tritt vielleicht nicht auf der Stelle, bewegt sich dafür jedoch ausgerechnet einen halben Schritt zurück. Das ist beileibe nicht fatal, allerdings zu wenig, um über Albumlänge hinweg begeistern zu können. Obwohl "Heaven´s Descent", "In Defiance", "Arise Black Vengeance" und "And To Posterity A Plague" prinzipiell gewohnt hohe NEAERA-Qualität versprechen, nutzt sich das bekannte Klangbild deutlich schneller ab, als es bisher der Fall war. "Tyranny Of Want" und "The Prophecy" etwa gehen inmitten des stets aggressiv gelagerten Songmaterials völlig unter. Ein Umstand, der zumindest zum Teil auch der dynamikarmen, erschreckend profillosen Produktion geschuldet ist. Während das Schlagzeug mit seiner penetranten Doublebass wahnsinnig schnell ermüdet, versteckt sich die restliche Band unverständlicherweise hinter einer dieser Tue Madsen-Fließbandabfertigungen, die den Künstlern wirklich gar nichts Eigenes mehr überlassen. Wirklich schade, denn das kostet "Forging The Eclipse" nicht nur Charakter, sondern erschwert es zudem unnötigerweise, das Album konzentriert am Stück zu hören. Besonders dahingehend ärgerlich ist dies, weil die Musiker einmal mehr an technischer Finesse zugelegt haben. Vor allem was in den 40 Minuten am Schlagzeug passiert, ist zum Teil wirklich spannend, aber auch Fronter Benny kann in punkto Growling noch mal eine Schippe drauflegen.
Im Kern ist "Forging The Eclipse" ein richtig gutes Album, welches die NEAERA-Trademarks überzeugt und standhaft hochhält. Vielleicht sogar zu standhaft, denn wo NEAERA bislang stets gesunden Fortschritt mit Althergebrachtem vereint haben, sieht es diesmal diesbezüglich recht düster aus. Das nimmt ähnlich wie die lahme Standardproduktion viel von der eigentlichen Spannung, was konsequenterweise die Frage aufwirft, ob die Jungs es diesmal mit der pausenlosen Arbeit nicht doch ein wenig übertrieben haben. So schön diese Arbeit sein mag, überstürzt werden sollte auch sie nicht.
Spielzeit: 40:01 Min.
Line-Up:
Benjamin Hilleke - Vocals
Tobias Buck - Guitars
Stefan Keller - Guitars
Benjamin Donath - Bass
Sebastian Heldt - Drums
Produziert von Alexander Dietz und Andy Classen (Drums) / Tue Madsen (Mix)
Label: Metal Blade
Homepage: http://www.neaera.com
MySpace-Seite: http://www.myspace.com/neaera
Tracklist:
01. The Forging
02. Heaven´s Descent
03. In Defiance
04. Eight Thousand Sorrows Deep
05. Arise Black Vengeance
06. Rubikon
07. Sirens Of Black
08. Certitude
09. Exaltation
10. Tyranny Of Want
11. The Prophecy
12. And To Posterity A Plague
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