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DEVIL SOLD HIS SOUL: Blessed & Cursed

CD-Review vom 01.07.2010   drucken senden

cdreview - DEVIL SOLD HIS SOUL: Blessed & Cursed

Musik hört man nicht einfach nur, du ertrinkst darin. Du lässt dich in ihr fallen, von ihr in unergründliche Tiefen hinabziehen und wirst schließlich doch wieder empor getragen, um dich auf sanften Wogen der Schwerelosigkeit in Geborgenheit zu wiegen. Selten war dieses Auf und Ab, dieser Akt des Versinkens bei zugleich wohligem Umschmeicheln des eigenen ohnmächtigen Körpers, angenehmer, schöner oder intensiver als bei DEVIL SOLD HIS SOUL.

Schon das einleitende "Tides" lässt dich in einen komatösen Traum entrücken; die hinzutretenden, eigentlich vordergründigen, aggressiven Screams von Sänger Ed scheinen Meilen entfernt zu sein, du nimmst praktisch nur die zarten Gitarren und die sanft-romantischen Samples wahr. Zumindest bis das so passend betitelte "Drowning / Sinking" diesem kathartischen Gefühl mit seinem eruptiven, erbarmungslosen Beginn ein jähes Ende setzt. Der schmerzlich reale Überlebenskampf, das Ringen nach einem kostbaren Zug Atemluft, ist erschreckend bedrückend, ja schier hoffnungslos. Doch bevor es zum grausamen Ende kommt, erreicht dich die Erkenntnis - die sonst so essentielle Luft in unseren Lungen ist hier unten gar nicht nötig. Es gibt nur dich, das Wasser und die scheinbare Schwerelosigkeit in den Tiefen, in die man hinab gleitet. Ein wunderbares Ende für diesen Song. Ein langgezogenes Finale mit einem verträumten, fast schon naiven Chor, der immer und immer wieder im Kopf hallt, bis plötzlich der Grund erreicht ist...

Wahnsinn, was für eine unglaubliche Anzahl an Assoziationen sich beim Genuss von "Blessed & Cursed" entfaltet. Kopfkino par excellence! DEVIL SOLD HIS SOUL haben ihre Hausaufgaben definitiv gemacht, nicht nur an ihren Instrumenten, sondern vor allem vom Songschreiberischen her. "Crane Lake", "A Foreboding Sky" oder "Truth Has Come" etwa sind stets spannend, besitzen Tiefgang und ungemein viel Dynamik - obwohl die Engländer eigentlich durchgehend im Midtempo unterwegs sind. Aber das hat der Post Hardcore ohnehin oft an sich. Zu den großen Vorbildern gehören zweifellos ISIS und teils auch CALLISTO, an mancher Stelle scheint gar ein wenig NAHEMAH zu Zeiten von "The Second Philosophy" durch die federleichte Performance hindurch. Doch statt zu kopieren, nutzen DEVIL SOLD HIS SOUL ihre Einflüsse als Fundament, um daraus etwas Eigenes zu entwickeln. Ob das jetzt ein wütender Brocken wie "The Disappointment" ist, das an BURIED INSIDE erinnernde "Callous Heart", oder allgemein gesprochen der regelmäßig auftretende Klargesang, der zart und gefühlvoll das Ohr umschmeichelt und dem Material eine zusätzliche Facette tief gehender Emotionalität verleiht. Nicht zuletzt dank Frontmann Ed sowie den fantastischen Samples, die dezent im Hintergrund den atmosphärischen Grundstein legen, kann man sich in einem Song wie "An Ocean Of Lights" so einfach verlieren und schlicht alles um sich herum vergessen.

Es steht ohne Frage, DEVIL SOLD HIS SOUL sind direkter als ISIS, ein Stück weit zugänglicher und niemals so verzweifelt und harsch wie BURIED INSIDE. Dafür behält sich "Blessed & Cursed" bei aller Melancholie stets einen Funken Hoffnung bei, der sich zum Ende hin zusehends in einen Strahl gleißenden Lichts verwandelt. Zugegeben, du bist dir nie so ganz sicher, ob dieser die Rettung oder die letzte Station vor dem Ende markiert, doch ist das auf dieser Reise vollkommen ohne Belang. Wenn dich die zerbrechlichen Gitarren in "Frozen" langsam in den Schein führen und sich selbst in den heftigen Ausbrüchen die Wahrheit nicht vor dir ausbreiten mag, dann ist es nicht Ehrfurcht, sondern ein seltsames Gefühl der Zufriedenheit, das dich die Augen schließen lässt, in der positiven Vorahnung dessen, was wohl mit einem geschehen wird, sobald der Weg sein Ende findet.

Was genau das ist, vermag ich immer noch nicht so recht in Worte zu fassen. Nach über einer Stunde setzen dich DEVIL SOLD HIS SOUL mit einem leergewaschenen Kopf und dem wohligen Gefühl der Erfülltheit ab, zusammen mit der Erkenntnis gerade eines der essentiellsten Alben des Jahres gehört zu haben. Eine musikalische Nahtoderfahrung voller Hoffnung und Zuversicht. Das mag manchmal vielleicht einen Hauch Naivität besitzen, überzeugt dich letztlich aber doch mit Leichtigkeit davon, dass Ertrinken eine wunderschöne Erfahrung sein kann. Zumindest, wenn DEVIL SOLD HIS SOUL deine Hand halten.

Veröffentlichungstermin: 09.07.2010

Spielzeit: 64:02 Min.

Line-Up:

Ed - Vocals
Jonny - Guitar
Rick - Guitar
Paul - Samples
Iain - Bass
Leks - Drums


Produziert von DEVIL SOLD HIS SOUL und Steve Evetts
Label: Century Media

Homepage: http://www.devilsoldhissoul.com
MySpace-Seite: http://www.myspace.com/devilsoldhissoul

Tracklist:

01. Tides
02. Drowning / Sinking
03. Callous Heart
04. An Ocean Of Lights
05. Frozen
06. The Disappointment
07. Crane Lake
08. A Foreboding Sky
09. The Weight Of Faith
10. Truth Has Come



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