NEGURA BUNGET: Virstele Pamintului
2005 haben NEGURA BUNGET mit "Om" ein Meisterwerk des atmosphärischen Black Metals veröffentlicht. Eine perfekte Symbiose aus schroffem Black Metal und transilvanischer Folklore, die der Band verdientermaßen große Anerkennung verschaffte. Plötzlich war der Name NEGURA BUNGET bekannter als je zuvor. Dann kam der Split, Gitarrist Sol Faur sowie Sänger, Gitarrist und Gründungsmitglied Hupogrammos entschieden, das Kapitel NEGURA BUNGET zu schließen, doch Schlagzeuger und ebenfalls Gründungsmitglied Negru versammelte kurzerhand ein neues Line Up um sich. Das Ergebnis liegt nun in Form von "Virstele Pamintului" vor.Und auf diesem Album setzen NEGURA BUNGET ihren Weg unbeirrt weiter fort. Im Vergleich zu "Om" wurde der Black Metal-Anteil im Bandsound noch ein wenig weiter reduziert, noch mehr herrschen Keyboardflächen und folkloristische Instrumente vor. Ein krasser Gegensatz zum schroffen "Maiestrit" welches nur zwei Wochen zuvor das Licht der Welt erblickte. Der Opener "Pamint" beginnt nur mit den Klängen einer Panflöte, ein Windspiel, eine akustische Gitarre, sphärische Keyboards, ein Holzbrett gesellen sich Stück für Stpck hinzu, während die Panflöte weiter die Melodie vorgibt, den Hörer langsam hinabgleiten lässt in die Soundwelten NEGURA BUNGETs. Erst gegen Ende hin gibt es gekeifte Vocals und verzerrte Gitarren. Ein Horn und Trommeln führen den Hörer durch das beschwörend rituelle, hypnotische und gänzlich unmetallische "Umbra". Bei "Ochiul Inimii" nehmen NEGURA BUNGET das erste Mal etwas Tempo auf, akustische Gitarren wechseln sich mit verzerrten, die von der Panflöte begleitet werden, ab, sphärische Keyboardflächen sorgen für die atmosphärische Dichte. "Cara de Dincolo de Negurã" paart schwarzmetallische Raserei sowie majestätische Passagen mit klarem Gesang, während das folgende "Jar" wieder komplett auf Metal-Anteile verzichtet und größtenteils von verschiedenen Soundeffekten und den üblichen Keyboardflächen getragen wird. Es folgt mit "Arborele Lumii" die Rückkehr zum Metal. Wenn man bei einer Band wie NEGURA BUNGET überhaupt in Song-Maßstäben denken kann, dann ist dieser hier sicher der Höhepunkt des Albums. Hier ziehen die Rumänen erneut alle Register, von erhabenen Parts mit heroischem Gesang bis zu schroffen Riffs und bösartigen Fauchern. Mit "Întoarcerea Amurgului" findet das Album dann einen wieder ruhigeren Ausklang. Ein letztes Mal erklingt die Flöte.
Für dieses Album sollte man sich definitiv Zeit und Ruhe nehmen. "Virstele Pamintului" verdient es, dass man ihm seine volle Aufmerksamkeit widmet, nicht nebenbei noch etwas anderes tut wie zum Beispiel Worte für eine Rezension niederschreiben. Dieses Album hat mir eines gezeigt, nämlich, dass es in der heutigen Zeit oftmals schwer fällt, sich die Zeit zu nehmen, die es braucht, um voll in die Musik eintauchen zu können, sie zu verinnerlichen. NEGURA BUNGET haben es meiner Meinung nach mit "Virstele Pamintului" nicht geschafft, "Om" zu erreichen oder gar zu überbieten, es sind nur kleine Details die den Unterschied ausmachen, nur wenig, was letztendlich doch dafür sorgt, dass "Om" die Nase vorne behält. Das neue Album erreicht nicht ganz die Intensität seines Vorgängers. Corbs Gesang ist nicht ganz so eindringlich wie der von Hupogrammos und die Gewichtung zwischen Folklore und Black Metal gefiel mir persönlich auf "Om" auch ein wenig besser, doch dies mögen viele anders sehen. Fakt ist, dass auch "Virstelen Pamintului" ein einzigartiges, spirituelles Album ist. Ein Manifest gegen die MTV-Generation, gegen Schnelllebigkeit und Beliebigkeit. Einer Band, die es schafft innerhalb von nur zwei Wochen gleich zwei wundervolle Alben wie "Maiestrit" und "Virstele Pamintului" zu veröffentlichen, gebührt Anerkennung. Beide Alben sind für Fans anspruchsvoller, düsterer Musik absolute Pflichtveranstaltungen. Jetzt bleibt es nur noch abzuwarten, wie sich die anderen zwei Drittel der alten NEGURA BUNGET-Besetzung, Hupogrammos und Sol Faur mit ihrem neuen Projekt DORDEDUH schlagen. Negru und seine neue Mannschaft haben die Stange, welche es zu überspringen gilt, hoch gehängt. Beeilen sollten sich diejenigen, welche an der limitierten Auflage des Albums interessiert sind. Diese kommt in einer Holzbox mit transilvanischer Erde gefüllt und ist streng limitiert. Eine passende und würdige Verpackung für dieses Album.
Veröffentlichungstermin: 02.04.2010
Spielzeit: 59:40 Min.
Line-Up:
Corb - guitar, vocals
Spin - guitars
Gadinet - bass
Inia Dinia - keyboards
Ageru Pamintului - vocals, percussion, xylophone, panpipe
Negru - drums, percussion
Label: Code 666
Homepage: http://www.negurabunget.com
MySpace: http://www.myspace.com/negurabunget
Tracklist:
01. Pãmînt
02. Dacia Hiperboreanã
03. Umbra
04. Ochiul Inimii
05. Chei de Rouã
06. Cara de Dincolo de Negurã
07. Jar
08. Arborele Lumii
09. Întoarcerea Amurgului
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