LAST GRAIN IN THE HOURGLASS, PATH OF SAMSARA, GRAVE NEW WORLD: Freising, Vis-á-Vis, 05.03.2010

Eigentlich hätte das Demo "Now I Am Become Death, The Destroyer Of Worlds" ein Vorgeschmack auf das Debütalbum von LAST GRAIN IN THE HOURGLASS werden sollen, doch dazu wird es nun nicht mehr kommen. Nach vier Jahren und drei Veröffentlichungen in EP-Länge hat die Freisinger Post Rock-Formation das Ende ihrer Lebensspanne erreicht. Viel zu früh, wie viele der Anwesenden an jenem Abend bekundeten. Dennoch der richtige Schritt, glaubt man der Band selbst. Zum Abschluss, bevor die verbliebenen Sandkörner das Stundenglas endgültig herabrieseln, luden die vier Musiker jedoch ein letztes Mal ein - zum gemeinsamen Abschied nehmen, zum Zuhören, zum Davonschweben und natürlich zum Feiern. Das Resultat: Ein unvergesslicher Abgesang auf eine Band, die während ihrer vergleichsweise kurzen Existenz meine musikalische Landschaft ungemein bereichert und geprägt hatte, und die man gar nicht würdiger hätte zu Grabe tragen können...
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| Prägte den Sound seiner Band mit seiner markanten Stimme - Frontmann Fabs von GRAVE NEW WORLD. |
Bevor es allerdings soweit kam, eröffneten zuerst GRAVE NEW WORLD aus Landshut den Abend im beschaulichen Vis-á-Vis in Freising. Mit einer eingängigen Mischung aus 80er Thrash und Melodic Death Metal-Akzenten gingen die Jungs direkt in die Vollen und konnten dank Retro-Charme bei gleichzeitiger Originalität schnell die Sympathien des Publikums gewinnen. Mit catchy Riffing und Hochgeschwindigkeitssoli gaben die Gitarren die Richtung vor, während Jonas Baumgartl (Ex-OBSCURA) hinter dem Schlagzeug souverän das Klanggerüst mit spannenden Details verzierte. Einen deutlichen Kontrast zum sonst eher zugänglichen Material setzte Sänger Fabs, der normalerweise bei der Sludge-Band COLTAN LEECH aktiv ist und mit seinem markanten wie unbarmherzigen Organ dem Gesamtwerk einen brachialen Stempel aufdrückte. Keine Frage, dass die fünf Bayern in erster Linie in den höheren Temporegionen wilderten, was vor allem bei "Outride The Devil" Laune machte, aber momentan noch im Gegensatz zur verhaltenen Bühnenpräsenz steht. In dieser Hinsicht wirkten die Musiker nämlich noch etwas unsicher und steif. Das wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn GRAVE NEW WORLD kamen gut an, weshalb die Band auch im Laufe des 40-minütigen Auftritts zusehends auftaute und letztlich einen absolut positiven Gig für sich verbuchen konnte.
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| Zwischen progressivem Retro-Rock und MASTODON - PATH OF SAMSARA. |
Nach einer kurzen Umbauphase standen mit PATH OF SAMSARA schließlich die ursprünglichen Initiatoren des Abends auf den Brettern, da sie angesichts der Umstände den Headlinerslot im Vorfeld bereitwillig an die scheidenden LAST GRAIN IN THE HOURGLASS abgetreten hatten. Obwohl die Nachwuchsband in der gegenwärtigen Formation erst seit vergangenem Jahr besteht, ist es bemerkenswert, in welch großen Schritten sich die vier Freisinger mit jedem Auftritt entwickeln. Deutlich vom 70er-Jahre Progressive Rock beeinflusst, füllten PATH OF SAMSARA ihre eigens geschaffene Neo-Retro Rock-Ecke souverän aus und bestachen ein ums andere Mal durch raffinierte Arrangements sowie unzähligen Feinheiten in der Umsetzung. Im Vergleich zum brandneuen Demo, welches die Band kostenlos verteilte, frönte insbesondere Lead-Gitarrist Niko auf der Bühne seiner Liebe zum Detail und kehrte bei "Pilgrim" und "Ambassador" im Live-Gewand deutlich mehr Facetten hervor als auf Platte - ein Indiz, dass die Band gerade erst am Anfang ihres Schaffens steht. Unterstützt wurden PATH OF SAMSARA bei diesem Auftritt im Übrigen von HOKUM-Gitarrist Michael Vogl, der für den zeitlich verhinderten Sebastian eingesprungen war. Zum 70er Sound gesellten sich gelegentliche härtere Ausbrüche, welche die Brücke zur Moderne schlugen und einen großen MASTODON-Einfluss nicht leugnen konnten. Dass diese Parts live besonders kraftvoll und packend gelungen sind, ist da natürlich mehr oder weniger Formsache. Zwar merkte man während der 40-minütigen Show Bassist und Sänger Benny ab und an noch die Nervosität in der Stimme an, aber in Anbetracht der bisherigen Entwicklung und stetigen Steigerung der noch jungen Band, die ihre Musik auf der Bühne sichtlich zu leben scheint, ist das ein Umstand, der mit wachsender Bühnenerfahrung von alleine verschwinden wird.
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| Verabschiedeten sich mit einer intensiven und unvergesslichen Show - LAST GRAIN IN THE HOURGLASS. |
Es war bereits nach halb Zwölf, als LAST GRAIN IN THE HOURGLASS ein letztes Mal zum Intro ihrer selbstbetitelten Debüt-EP die Bühne erklommen. Ein Hauch Nostalgie wehte durchs Vis-á-Vis als die Band das Konzert im Anschluss mit ihrem allerersten Song "Chronophobia" eröffnete. Zeit für Schwermut blieb jedoch nicht, denn der Song ging direkt nach vorne und zeigte die Jungs um Frontmann Christoph ganz von ihrer ungestümen Seite. Die sollte später mit dem Noisecore-Stück "Army Of Butterflies" zwar ein weiteres Mal nach außen gekehrt werden, aber ansonsten prägten die ausladenden Midtempo-Songs das Set, die irgendwo zwischen Sludge, Post Rock sowie Post Hardcore der Marke ISIS ihr Metier gefunden haben und für welche die Fans ihre Band so lieben. Von Letzteren hatten sich im Übrigen an die 120 Stück eingefunden, um dem sympathischen Quartett die letzte Ehre zu erweisen und sich noch ein weiteres Mal von der Magie solcher Stücke wie "Ice" oder "The Derelict Yellow House" davontragen zu lassen.
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| War eins mit der Musik - Bassist Florian Schneider. |
Angesichts der bedrückenden Umstände warf sich das Publikum umso mehr ins Zeug, so dass das finale Kapitel von LAST GRAIN IN THE HOURGLASS schließlich zu einem ganz besonderen werden konnte. Vor allem beim Hit "1500 Miles North" von der EP "Following The River, Finding The Sea", das dem Filmteam des zugehörigen Videoclips gewidmet war, durfte der geneigte Beobachter ein Meer aus fliegenden Haaren begutachten. Ein Anblick, der Sänger Christoph im Laufe des ausgiebigen Sets nicht nur ein ums andere Mal ein Grinsen aufs Gesicht zauberte, sondern den er sogleich mit den Worten kommentierte, man müsse sich scheinbar erst auflösen, um so etwas erleben zu können. Überhaupt schienen die vier Musiker ihr Abschiedskonzert wahrlich zu genießen - eine Tatsache, die ohne Vorbehalte auch auf die treue Fanschar, zu der ich mich unverhohlen ebenfalls zählen möchte, übertragen werden konnte. Und das lag nicht einfach am tadellosen Sound im Vis-á-Vis - vielmehr war es diese einzigartige, schwer greifbare Atmosphäre, welche diesen Abend zum Ende hin prägte. LAST GRAIN IN THE HOURGLASS lebten dieses letzte Gastspiel: Bassist Flo gab sich ganz und gar der Musik hin, Drummer Max war eins mit seinem Instrument und Gitarrist Stefan stellte den eher in sich gekehrten Ruhepol dar, während Frontmann Christoph seine Texte mit Hingabe zwischen kathartischer Ruhe und ungezügelter Wut interpretierte. Ein Bild, das niemanden im Saal unberührt lies, geschweige denn loslassen konnte.
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| Drummer Max von LAST GRAIN IN THE HOURGLASS. |
Ein wenig Melancholie war natürlich auch mit dabei, bedenkt man, dass Kompositionen wie das wahnsinnig intensive "The Ivory Tower" oder das drückende "Homewrecker" niemals den Weg auf eine Veröffentlichung der Freisinger gefunden haben und somit wahrscheinlich nach diesem Abend nie wieder gehört werden können. Ganz ausblenden konnte man dieses Gefühl ohnehin nicht, als LAST GRAIN IN THE HOURGLASS zum Ende ihres 80-minütigen Auftritts mit "Elemental" eine ihrer tiefgreifendsten und spannendsten Kreationen als Abschied wählten. Was leise und schwermütig begann, steigerte sich zum Ende hin bis zu einem furiosen Finale, das nichts Geringeres als die Essenz des Seins in seinen Grundfesten offen legt und so den einzig würdigen Schlusspunkt für das letzte Kapitel einer großartigen Band darstellte. Den zahlreichen Forderungen nach einer Zugabe kam die Band nach dieser emotionalen Reise zu fortgeschrittener Stunde nicht mehr nach. Einerseits schade, da somit LAST GRAIN IN THE HOURGLASS endgültig beerdigt waren; andererseits die richtige Entscheidung, da der Abschied, das letzte Kapitel dieser Band, so nicht hätte schöner gewählt sein können - "We live for this - for nothing else."
Weitere Konzertbilder in der Vampster-Fotogalerie.
Setlist LAST GRAIN IN THE HOURGLASS:
01. Intro
02. Chronophobia
03. Homewrecker
04. The Ivory Tower
05. Ice
06. The Fork In The Glass-Eye
07. The Derelict Yellow House
08. Army Of Butterflies
09. 1500 Miles North
10. An Imbalance Of Seeds
11. If Then Else [Sleepless In Vienna]
12. Elemental
Konzertfotos © Tatjana Braun
LAST GRAIN IN THE HOURGLASS im vampster-Archiv
Es wurden 7 Artikel zu LAST GRAIN IN THE HOURGLASS im vampster-Archiv gefunden.CD-Review
LAST GRAIN IN THE HOURGLASS: Now I Am Become Death, The Destroyer Of Worlds [EP] [Eigenproduktion] (20.05.2009)
LAST GRAIN IN THE HOURGLASS: Following The River, Finding The Sea [Eigenproduktion] (28.12.2007)
LAST GRAIN IN THE HOURGLASS: Last Grain In The Hourglass [Eigenproduktion] (03.01.2007)
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