SALTATIO MORTIS, FEUERSCHWANZ: München, Backstage, 23.10.2009
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Sprach allein das Knacken der Top 10 der deutschen Albumcharts schon eine deutliche Sprache, so setzt die aktuelle "Wer Wind Sät"-Tour der Mittelalter-Rocker von SALTATIO MORTIS noch einen drauf. "Danke für ein ausverkauftes Konzert" stand in großen Buchstaben auf einem Plakat vor dem Einlass des Münchner Backstage. Doch bevor wir dieses zu Gesicht bekamen, hieß es zunächst bei 8°C und Nieselregen auf dem Clubgelände zu frieren. Bis hinter die nebenstehende "Werk"-Halle, in der an diesem Abend CANNIBAL CORPSE spielten und deren Nightliner dort abgestellt war, erstreckte sich die Warteschlange. Das sind gut und gerne 100 Meter Strecke, die man wartenderweise zurücklegen musste, bis man endlich den warmen Vorraum der Backstage-Halle erreichte. Dass sich der Konzertbeginn im Übrigen aufgrund der nicht enden wollenden Schlange vor dem Club um ca. 30 Minuten nach hinten verschob, kam in diesem Fall nicht nur uns gerade recht. Drinnen angekommen gelang es uns nach einem kurzen Gespräch mit einer freundlichen Dame des Sicherheitspersonals überraschenderweise ohne größere Probleme, einen Platz im äußeren Bereich der vorderen Reihen zu ergattern, wo der Alkohol vereinzelt bereits in Strömen zu fließen schien.
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| Setlist FEUERSCHWANZ: 01. Intro, 02. Metvernichter, 03. Das Turnier, 04. Schwanzonate, 05. Met und Miezen, 06. Verteidiger Des Wahren Mets, 07. Lindwurm, 08. Schnaps Und Schnecken, 09. Hurra, Hurra, Die Pest Ist Da |
Als gegen 20:30 Uhr die Show nach dem gesprochenen Intro mit der Mitgröhl-Parole "Wir sind der Haufen! Ihr seid der Haufen!" eröffnet wurde, war Kennern der Szene natürlich sofort klar, dass hier nur FEUERSCHWANZ auf der Bühne stehen konnten, während meine Freundin erstmal fassungslos in Richtung Bühne starrte. Aber große Lyrik gab es bei den Erlangern ohnehin noch nie zu hören und da macht auch das neue Album "Metvernichter" keine Ausnahme, das das Sextett heute live präsentieren sollte und mit dessen Titeltrack es direkt in den 40-minütigen Auftritt startete. So überraschte es letztlich wenig, dass hauptsächlich Songs des aktuellen Studiowerks gespielt wurden. Dazwischen gab es mit "Met Und Miezen" und dem ordentlich rockenden "Verteidiger Des Wahren Mets" immer wieder ein paar bewährte Live-Klassiker auf die Ohren, während das Debütalbum "Prima Nocte" einzig mit "Das Turnier" gewürdigt wurde. Ein weiterer stimmungstechnischer Höhepunkt war natürlich der folkige "Lindwurm", bei dem sich Flötenspieler Prinz Hodenherz III. ins Publikum begab und während des Songs eine immer länger werdende Polonaise, pardon, einen immer länger werdenden Lindwurm anführte. Allein dieses Beispiel für Publikumsnähe spricht Bände, denn in Sachen Spielfreude konnte man dem Hauptmann und seiner Truppe nichts vormachen. Neben allerlei Blödelei auf der Bühne suchte man stets den Kontakt zum und die Interaktion mit dem Publikum und erreichte so trotz Vorbandstatus eine unbeschreiblich große Resonanz. Aber eigentlich ist das ja wenig verwunderlich, sind FEUERSCHWANZ doch schon lange keine Unbekannten mehr. Vielleicht mögen die Jungs samt Quotenmädel nicht für die anspruchsvollste Musik im Mittelalter-Genre stehen, doch eines war spätestens nach der Zugabe "Hurra, Hurra, Die Pest Ist Da" klar: Der Haufen um Hauptmann FEUERSCHWANZ dürfte nach diesem Auftritt sicherlich ein paar Anhänger mehr zählen. Das wurde ja auch gleich zu Beginn schon deutlich proklamiert.
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| Zwei volle Stunden pure Energie und Leidenschaft: SALTATIO MORTIS |
Erträgliche 20 Minuten später gingen die Lichter im Backstage ein weiteres Mal aus und die Musiker von SALTATIO MORTIS betraten nacheinander zum atmosphärischen Tour-Intro die Bühne, woraufhin sie mit "Rastlos" direkt in ein mit 23 Songs mehr als üppiges Set starteten. Zwar konnte mich der Titel auch live nicht hundertprozentig überzeugen, mit dem direkt nachgeschobenen "Miststück" zeichnete sich jedoch bereits ab, dass das aktuelle Material der neuen Platte "Wer Wind Sät" live deutlich besser zur Geltung kommt als im heimischen Wohnzimmer. Das mag einerseits bei einem Genre wie Mittelalter-Rock in der Natur der Sache liegen, ist aber auch gut so, denn bis auf "Tief In Mir" und "Manus Manum Lavat" stand das komplette aktuelle Studiowerk auf dem Programm. Dass hierbei vor allem die schnellen Stücke wie "La Jument De Michao", "Das Kalte Herz" oder die in München teilweise extra in Mundart zelebrierte Hymne "Wir Säen den Wind" punkten konnten, ist wenig verwunderlich. Für Gänsehaut sorgten allerdings ebenso das zum Mitsingen prädestinierte "Salome" sowie die ungemein gefühlvoll vorgetragene Ballade "Aus Träumen Gebaut". Vor allem Sänger Alea hat sich über die Jahre extrem gesteigert, schafft nun live sogar mühelos dieselbe Leistung wie auf Platte zu bringen und dabei während dem Konzert auch für den ein oder anderen wohligen Schauer den Rücken hinab zu sorgen.
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| Sorgte mit seinem Gesang für Gänsehautmomente - Alea der Bescheidene. |
Der leidenschaftlichen Performance des bewegungs- und springfreudigen Frontmanns standen seine Kollegen indes in nichts nach. Während sich Schlagzeuger Lasterbalk in erster Linie zwischen den Liedern zu Wort meldete, so suchten seine Kollegen Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein an der Drehleier und El Silbador an der Sackpfeife nahezu ununterbrochen den Kontakt zu den Fans. Kein Wunder, dass diese pure Spielfreude in Sekundenschnelle auf die Menge übersprang und bis zum Schluss trotz Temperaturen nahe dem Siedepunkt nicht zu verebben drohte. Die Rhythmusfraktion um Bruder Frank und Samoel agierten dagegen weitgehend im Hintergrund und wagten sich wie bei dem fantastischen "Uns Gehört Die Welt" höchstens mal für ein Solo nach vorne. Macht aber nichts, die pure Freude auf der Bühne zu stehen sah ihnen trotzdem an.
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| Gab sich vollständig der Musik hin - Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein |
An der Songauswahl gab es an diesem Abend nur wenig zu meckern, wenngleich sich die Setliste deutlich an den neueren Schaffensperioden der Band orientierte. So gab es neben der ausgiebigen Vorstellung neuen Materials ganze acht Nummern aus dem Meisterstück "Aus Der Asche" zu hören, wohingegen die ersten beiden Rock-Alben "Das Zweite Gesicht" und "Erwachen" mit "Dunkler Engel" und "Falsche Freunde" jeweils nur mit einem Song bedacht wurden. Dass bei einer Spielzeit von nicht weniger als zwei Stunden Hits der Marke "Prometheus", "Tritt Ein" oder "Spielmansschwur" hingegen nicht fehlen durften, versteht sich von selbst. Genau wie "Koma" und "Tod Und Teufel" können diese Titel zu den unbestrittenen Höhepunkten des Abends gezählt werden. Als sich SALTATIO MORTIS nach 120 schweißtreibenden Minuten und zwei Zugabenblöcken mit "Letzte Worte" schließlich verabschiedeten, offenbarte ein Blick durch die leicht vernebelte Halle ein Meer von erschöpften, aber zufriedenen Gesichtern, die sich trotz durchnässter Leiber einer Sache ganz bestimmt sicher waren: Das nächste Münchner Gastspiel der Mittelalter-Rocker wird rot und fett im Kalender angestrichen. Denn genau mit solchen Auftritten schafft man es, Fans und Neulinge gleichermaßen an sich zu binden. Oder man probiert es ganz dreist mit der Haufen-Methode...das scheint ja offensichtlich auch ganz gut zu funktionieren.
Weitere Konzertbilder in der Vampster-Fotogalerie.
Setlist SALTATIO MORTIS: 01. Intro 02. Rastlos 03. Miststück 04. Tod Und Teufel 05. La Jument De Michao 06. Das Kalte Herz 07. Tritt Ein 08. Salome 09. Worte 10. Aus Träumen Gebaut 11. Koma 12. Ebenbild 13. Salz Der Erde 14. Varulfen 15. Vergessene Götter 16. Prometheus 17. Wir Säen Den Wind 18. Wirf Den Ersten Stein19. Uns Gehört Die Welt ------------------------------------ 20. Keines Herren Knecht 21. Falsche Freunde 22. Spielmannsschwur ------------------------------------ 23. Spielmannsschwur (Reprise) 24. Dunkler Engel 25. Letzte Worte
Konzertfotos © Tatjana Braun
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Wenn ich mal alt und senil bin, will ich wenigstens EKTOMORF hören.
