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3. SPECTACULUM MOOSBURG mit FAUN, DIE STREUNER, FURUNKULUS: 19.-21.06.2009

Live vom 05.07.2009   drucken senden auf Facebook teilen

 

3. Spectaculum Moosburg - (c) Tatjana Braun

 

Zum dritten Mal fand in Moosburg a. d. Isar, Großraum München, das SPECTACULUM MOOSBURG statt. Mitten im Herzen der Stadt entstand für drei Tage auf der abgeschotteten Grünfläche um den Zehentstadl, einem ehemaligen Erntelager, ein kleiner, mittelalterlicher Handwerkermarkt samt Lagerleben. Neben Händlern, Gauklern und Schaustellern, die auch dieses Mal trotz teilweise schlechten Wetters bei den Besuchern für Kurzweil sorgten, war auch beim musikalischen Rahmenprogramm einiges geboten: Zu den Stammgästen FATZWERK und NACHTWINDHEIM, welche drei Tage lang ihr musikalisches Können im Zehentstadel oder draußen auf der Gauklerbühne unter Beweis stellten, gesellte sich an jedem Abend zusätzlich ein namhafter Headliner. Doch mehr dazu später...

 

FREITAG

Der Wetterbericht meinte es im Vorfeld nicht gut mit den fleißigen Organisatoren. Regen wurde prophezeit und geregnet hat es schließlich auch den kompletten Tag. Dies hatte logischerweise auch Konsequenzen für die Besuchersituation, da sich viele angesichts des Wetters dazu entschlossen hatten, zu Hause zu bleiben. Dementsprechend trist und leblos wirkte der Markt zur späten Nachmittagsstunde. Also nach einem kurzen Rundgang schnell in den Stadl geflüchtet, wo FATZWERK bereits am musizieren waren. Die Freisinger Marktmusikcombo, bestehend aus einem Trommler und zwei Sackpfeifen- bzw. Schalmeispielern, hatte sich für den ersten Tag einen Gast eingeladen, der sie mit einer zweiten Davul unterstützte. Im direkten Vergleich zum Vorjahr komme ich nicht umhin festzustellen, dass die Jungs sich ungemein gesteigert haben. Vor allem das Zusammenspiel ist nun wesentlich routinierter, so dass sich der Mix aus altbekannten Traditionals und Eigenkompositionen wesentlich mitreißender gestaltete, als ich zunächst erwartet hatte. Auch die zusätzliche Davul-Trommel trug ihren Teil dazu bei; hoffentlich finden FATZWERK auch eine dauerhafte Verstärkung für die Rhythmusfraktion, damit ihre Stücke in Zukunft ähnlich kraftvoll erklingen wie an diesem ersten Festivaltag.
 
FAUN Live - (c) Tatjana Braun
 FAUN live beim 3. Spectaculum Moosburg.

Eine weitere Marktrunde und eine Tanzperformance des anwesenden Hexenclans später war es dann endlich so weit. Mit gut 20 Minuten Verspätung gingen im Zehentstadl die Lichter aus, um das Abendkonzert der Pagan-Folk-Band FAUN einzuleiten. Trotz des schlechten Wetters haben extra für die bevorstehende Show doch noch einige Leute den Weg zum SPECTACULUM gefunden. Dem Regen ist es auch verschuldet, dass die Veranstaltung nicht wie zunächst geplant unter freiem Himmel statt fand, sondern in die "Scheune" verlegt wurde, wie sie im Laufe des Konzerts von Sänger Oliver liebevoll betitelt wurde. Im Nachhinein darf ich feststellen, dass diese Entscheidung nicht nur aufgrund der grauen Wolken eine richtige war. Denn auch wenn die Temperaturen innerhalb des Zehentstadls ins Unermessliche anstiegen, sorgte allein die beeindruckende Kulisse aus Holzverstrebungen und der farbig ausgeleuchteten Ziegelsteinwand im Hintergrund für eine mystische und unglaublich dichte Atmosphäre. In tiefe Blau- bzw. Rottöne getaucht und mit großzügigem Nebeleinsatz bestritten FAUN das gut 100-minütige Konzert vor einem Schaubild, wie es eindrucksvoller nicht hätte sein können.

FAUN Live - (c) Tatjana Braun
Setlist: 01. Sirena, 02. Oyneng Yar, 03. Rosmarin, 04. Rosmarin,  05. Da Que Deus, 06. Egil Saga, 07. Zwei Perlen, 08. Andro, 09. Zeitgeist, 10. Iyansa, 11. Rhiannon, 12. Tinta, 13. Wind & Geige, 14. Ne Aludj El, 15. Tagelied

Die Band selbst schien nach ihrer Akustiktour und dem vorangegangenen Studioaufenthalt sehr gut gelaunt zu sein und genoß ihr erstes Konzert nach zwischenzeitlicher Live-Abstinenz in vollen Zügen. Und das, obwohl es schon zu Beginn des Abends während "Rosmarin" zu größeren technischen Problemen mit Oliver SaTyrs Tonabnehmer kam. Der nahm es jedoch mit Humor und als nach der mehrminütigen Zwangsunterbrechung sowie wiederholtem Wechsel der Laute die Technik schließlich wieder mitspielte, durfte das Publikum zur Belohnung dem tollen Song ein weiteres Mal lauschen - diesmal allerdings mit Laute und in voller Länge. Da Frontmann Oliver zudem die Wartezeit gekonnt mit selbstironischen Beiträgen versüßte und auch sonst sehr humorvoll durch den Abend führte, nahm es ihm letztlich auch niemand übel, dass er sich mit "Moosach" eigentlich im falschen Ort wähnte. Für so etwas wie Groll blieb den Moosburgern aber ohnehin keine Zeit, luden Instrumentalstücke wie das flotte "Rhiannon" oder das obligatorische "Andro" doch zum Mittanzen ein, während ruhigeres Material à la "Tinta" oder "Zeitgeist" die Herrschaft in sphärische Welten entführten. Dass ein FAUN-Konzert ohne bestimmte Klassiker nicht funktionieren würde, versteht sich indes von selbst. Deshalb war es auch kein Wunder, dass sowohl "Wind & Geige", als auch die altisländische "Egil Saga" im Set zu finden waren. Letzteres bestach vor allem durch sein tolles Geigensolo sowie dem einmal mehr fantastischen Gesang von Sandra Elflein und Fiona Rüggeberg. Als sich die Band schließlich nach über anderthalb Stunden und einer ganzen Reihe von Zugaben mit dem wunderschönen "Tagelied" endgültig verabschiedete, erwachte Moosburg langsam und wohlig sanft wieder in der Realität, noch immer verzaubert von der einzigartigen Atmosphäre, welche die Musik FAUNs zu erschaffen vermag.

Feuershow - (c) Tatjana Braun
 Der "Eisbär" bei der Arbeit - Feuershow auf dem Spectaculum.
 
Was gibt es besseres, als nach diesem Ausflug in sphärische Welten mit einem Knall wieder zurück auf die Füße geholt zu werden? Also raus in die finstere Nacht, denn dort stand die Feuershow als großes Tagesfinale auf dem Programm. Da jonglierten die Narren Jolandolo von Birkenschwamm und Narrenkai wild mit brennenden Fackeln, wohingegen das Gauklerpaar Mimikry im Anschluss mit allerlei brennender Gerätschaften wie Stäben oder Fächerkonstruktionen hantierte. Selbstverständlich dürfen auch Feuerspuckeinlagen nicht fehlen. Wie im Vorjahr auch, bewiesen Kry und der stämmige Eisbär, welcher auch durch seine Schwertschluck-Künste beeindruckte, dass es gerade beim Feuerspucken eben doch auf die Größe ankommt. So endete der trist-verregnete erste Tag des 3. SPECTACULUM MOOSBURG doch noch mit einer Hitzewelle.


SAMSTAG

DIE STREUNER Live - (c) Tatjana Braun
"Wir Männer lieben Blusen ohne ´L´ " - humorvolle Lebensweisheiten und Schweinereien bei den STREUNERN.
 
Vermutlich damit ich die allzu schlechte Metapher aus dem vorangehenden Satz nicht wiederholen kann, zeigte sich das Wetter  am Samstag wesentlich gnädiger und ließ zeitweise sogar die Sonne zum Vorschein kommen. Dennoch traf ich erst gegen 19 Uhr am Markt ein, da für mich heute in erster Linie DIE STREUNER auf dem Programm standen. Nachdem am Kichererbsen-Falafelstand für schmackhafte Verpflegung gesorgt worden war, dauerte es auch nicht mehr lange bis zum großen Abendkonzert. Aufgrund des weitgehend klaren Himmels zogen es die zu viert angereisten STREUNER vor, draußen auf der Freiluftbühne zu spielen legten ohne Umschweife mit einem einleitenden Instrumentalstück einen gelungenen, wenn auch vielleicht ein wenig zu lang gezogenen, Grundstein für die folgenden anderthalb Stunden Sauf-, Trink- und Schunkellieder. Nur mit zwei Lauten, zwei Geigen und den eigenen Stimmbändern ausgestattet, schaffte es das Quartett im Handumdrehen, die Meute zum Mitmachen zu animieren. Dies mündete insbesondere bei der Ballade "Totentanz" aufgrund der lautstarken "Wacken" bzw. "Höllenfeuer"-Kommandos von Sänger-Pinto in Situationen, die im wahrsten Sinne des Wortes zum Brüllen komisch waren. Selbiges traf ebenso auf die Ansagen der sympathischen Formation zu, die immer einen Scherz auf den Lippen hatte und auch textlich kein Blatt vor den Mund nahm. Sei es nun das schottische "Storchlied" "Charlie he´s my darlin´" oder der Klassiker "Pater Gabriel", Schweinereien gab es am laufenden Band zu hören - vielleicht nicht ganz jugendfrei, aber stets für ein Schmunzeln gut. Dass Stücke wie "Söldnerschwein", "Zehn Orks" oder "Wein, Weib und Gesang" natürlich ebenfalls nicht im Live-Set fehlen durften, versteht sich von selbst. So konnte man letzten Endes das erste Gastspiel der STREUNER in Moosburg als vollen Erfolg einstufen - ein baldiges Wiedersehen in den nächsten Jahren wäre bestimmt nicht nur in meinem Sinne.


SONNTAG:

Eigentlich war der Sonntag als vergleichsweise ruhiger Ausklang angedacht, doch änderte sich dies durch die kurzfristige Verpflichtung der Spielleute FURUNKULUS, die bereits in den Jahren zuvor als Konzertact das SPECTACULUM MOOSBURG begeisterten. So stand nach der Münchner Dudelsack-Trommel-Combo CLAYMORE - PIPES & DRUMS noch ein furioses wie lautstarkes Finale auf dem Spielplan. Kein Wunder, dass sich auch dank des fabelhaften Wetters der letzte Tag zum lebhaftesten entwickelte.
 
Doch zunächst gaben NACHTWINDHEIM ein kleines Konzert auf der Gauklerbühne. Die drei Jungs begeisterten nicht nur mit ihren humorvollen Kommentaren, sondern vor allem auch mit ihren eigenwilligen Interpretationen von Traditionals und Rockklassikern. Schon mal BLACK SABBATHs "Paranoid" mit Davul und Schalmeien gehört? Nein? Dann wird´s aber Zeit, denn in der Umsetzung NACHTWINDHEIMs klingt das sogar richtig gut. Als Zugabe gab es schließlich a-capella noch den Kinderliederklassiker "Hänsel und Gretel" in der Version für Erwachsene zu hören, bevor man die Bühne für DIE STREUNER räumte. Die legten nämlich einen viertelstündigen Kurzauftritt hin, um die Zeit bis zum Konzert von CLAYMORE - PIPES & DRUMS zu überbrücken. Als dann aus weiter Ferne erste Paukenschläge und Sackpfeifenklänge zu vernehmen waren, wusste jeder, dass das Warten nun ein Ende haben wird. In Reih und Glied marschierten die zahlreichen Musiker einmal quer über den Markt, um sich schlussendlich in kreisförmiger Formation vor der Freiluftbühne aufzustellen. Dort durfte man knapp 25 Minuten lang allerlei traditionellen Dudelsackstücken wie dem klischeebehaftete "Amazing Graze" oder dem tollen "Scotland The Brave", eine der inoffiziellen Nationalhymnen Schottlands, lauschen. Im Gesamtbild war die Darbietung von CLAYMORE - PIPES & DRUMS zwar eindrucksvoll und professionell, aber auch ohne Überraschungen.
 
FURUNKULUS Live - (c) Tatjana Braun
 Laute Sackpfeifen und donnernde Trommeln - FURUNKULUS.

Weitgehend überraschungsarm war auch das Abschlusskonzert von FURUNKULUS. Denn wenn man ehrlich ist, muss man feststellen, dass sich Songauswahl und Ansagen bei den Passauern in den letzten drei Jahren, wenn überhaupt, nur geringfügig geändert haben. Aber angesichts der Spielfreude und der Energie, die die fünf Musiker an den Tag legen, spielt das nach spätestens zwei Liedern ohnehin keine Rolle mehr. Außerdem ist es ja auch irgendwie kultig, wenn die eingefleischten Fans sämtliche Ankündigungen Wort für Wort mitsprechen können. Das gleicht dann schon fast einem Ritual wie es beispielsweise dem kraftvollen und unverkennbaren "Tibet" ein ums andere Mal vorangeht. Wie bereits erwähnt gab es bei der Titelauswahl eher altbewährtes, aber da FURUNKULUS seit jeher auf totgenudelte Traditionals verzichten und stattdessen auf hochkarätige Eigenkompositionen à la "Drachentanz" oder "Dracula der Pfähler" setzen, freut man sich dennoch, die gewohnten Hits der Gruppe zu hören. Die Ausnahme zur Regel ist hierbei der Ohrwurm "Auf dem Weg nach Palästina", eine freie Interpretation des altbekannten "Palästinalieds". Aber ob selbst komponiert oder nicht, was den "Spielleuten der Ewigkeit" ihren ganz eigenen Charakter verleiht, ist, neben dem charismatischen wie sympathischen Auftreten der gesamten Band, in musikalischer Hinsicht vor allem der stampfende, peitschende Groove, den die Rhythmusfraktion zu beschwören vermag. Dass dieses Mal trotzdem nicht ganz so viel getanzt wurde, ist vermutlich auch der offen angelegten Gauklerbühne zu verschulden - im Zehentstadl ist das Spektakel eben doch komprimierter. Aber sei´s drum, Spaß hatten alle Beteiligten dennoch und nach der gut 60 Minuten dauernden mittelalterlichen Vollbedienung, in die auch die alltägliche Feuershow integriert wurde, bin ich sicherlich nicht der einzige gewesen, der die letzten Stunden des 3. SPECTACULUM MOOSBURG mit einem Lächeln auf den Lippen genossen hatte.

 

Weitere Konzertbilder in der Vampster-Fotogalerie.

 

Konzertfotos © Tatjana Braun



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