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DARK TRANQUILLITY, POISONBLACK, FEAR MY THOUGHTS: 09. November im Backstage in München

Live vom 15.11.2008   drucken senden
Kommentare: 2. Letzter Kommentar: CaptainChaos


Zwei Jahre dürften es mittlerweile her sein, seit DARK TRANQUILLITY zuletzt in München aufgespielt haben. Das ist eine lange Zeit und somit war es natürlich Ehrensache, den sympathischen Schweden im Rahmen ihrer Europa-Tour einen Besuch abzustatten. Stattfinden sollte das Spektakel in der Backstage-Halle, wurde aber kurzer Hand ins größere Werk verlegt, da die dortige Parallelveranstaltung abgesagt wurde. Dies bedeutete also neben mehr Platz auch besseres Licht, besseren Sound und leider auch eine leerere Halle. Statt 1000 feierwütigen Fans befanden sich bei meiner Ankunft um punkt acht Uhr vielleicht 250-300 Menschen in der Halle, weshalb FEAR MY THOUGHTS, die bereits in den Startlöchern standen, die schwere Aufgabe hatten, vor einem äußerst lückenhaften Publikum zu spielen. Dass dieses zudem noch recht träge reagierte und keinerlei Bewegung zeigte, machte die Situation für die Band nicht gerade besser.

Die Freiburger ließen sich dadurch aber keineswegs aus dem Konzept bringen und legten mit dem fetzigen "The Hunted" gleich ordentlich los und präsentierten im Folgenden ihre neue Platte "Isolation" im Schnelldurchlauf. Die progressive Ausrichtung, die dort eingeschlagen wurde, funktioniert auch live prächtig, weshalb FEAR MY THOUGHTS für Songs wie das an MESHUGGAH erinnernde "Death Chamber" oder das eingängige "Bound And Weakened" eifrigen Beifall ernteten. Die musikalische Neuausrichtung der Jungs schlägt sich auf der Bühne mittlerweile auch in älterem Material nieder, wie die eingestreuten krummen Rhythmen in "Blankness" unterstrichen. Neuzugang Martin machte dabei nicht nur hier eine ausgezeichnete Figur am Mikro. Zwar muss er in punkto "Rampensau-Qualitäten" gegenüber seinem Vorgänger Mathias zurückstecken, kompensiert diesen Umstand aber mit seiner Wahnsinnsstimme. Zum Abschluss servierte die Gruppe noch ihren Hit "Gates To Nowhere" von der letzten Scheibe "Vulcanus" und machte die Bühne frei für POISONBLACK - oder auch nicht.

Nach nur zehn Minuten Umbauzeit gingen erneut die Lichter aus und POISONBLACK, die Gothic-Metal Kapelle von Ex-SENTENCED-Frontmann Ville Laihiala enterte die Bretter. Was dann jedoch kam, war nichts anderes als ein ausgestreckter Mittelfinger an alle Fans, die eigens für ihre Band angereist waren. Nach nicht einmal zehn Minuten brach Laihiala den Auftritt noch während dem zweiten Song ab und verließ die Halle mit der Begründung, seine - eigentlich ganz normal klingende - Stimme sei zu angeschlagen, um weiterzumachen. Der Song wurde folglich auch nicht zu Ende gespielt. So macht man sich jedenfalls keine Freunde, meine Herrschaften. Die Besucher quittierten diesen Abgang mit eisigem Schweigen - keine Pfeifkonzerte, keine Buh-Rufe, nichts. Bitter nur, dass FEAR MY THOUGHTS prinzipiell hätten länger spielen können, hätte man von dieser Wendung gewusst.

Eine längere Umbaupause erwartend, gestaltete sich die Suche nach einem Sitzplatz überraschend einfach. Dem immer noch überschaubaren Ansturm und dem Rauchverbot sei´s gedankt. Im Sitzen wartet es sich bekanntlich leichter und vor allem bequemer, während auf der Bühne gerade eine Leinwand und zusätzliche Scheinwerfer aufgebaut werden. Nach knapp 40 Minuten war es dann so weit. Pünktlich um halb zehn stand mit DARK TRANQUILLITY der Headiner des Tages bereit und legte mit dem Dreierpack "The Treason Wall", "The New Build" und "Focus Shift" einen dermaßen energiegeladenen Start hin, dass man in der mittlerweile doch verhältnismäßig gut gefüllten Halle (es war Sonntag) eine ganze Reihe offener Münder zu Gesicht bekommen haben muss. Dabei ist es schier unglaublich, wie diese Band fernab von jeglichen Klischees und aufgesetzten Mienen zugleich so aggressiv und doch positiv auftreten kann. Die Formation zeigte sich in bester Spiellaune und wenn Frontmann Mikael Stanne sich nicht gerade die Seele aus dem Leib brüllte, führte er angenehm ruhig und sympathisch durch das knapp 90-minütige Programm. Ohne Zweifel, diese Band ist nicht nur deshalb so großartig, weil sie fähige Musiker in ihren Reihen hat und tolle Songs schreiben kann, sondern auch, weil ihre Mitglieder immer voll und ganz sie selbst sind und zu jeder Zeit zu einhundert Prozent natürlich wirken. Hier stehen keine Masken auf der Bühne, sondern Vollblutmusiker. Vielleicht ist das auch der Schlüssel zu der Magie, die stets, sogar an nicht ausverkauften Abenden wie diesem, zwischen der Band und ihrem Publikum herrscht. Natürlich trug dazu auch das Drumherum bei, wie etwa die tolle Lightshow, die höchstens noch ein wenig mehr Farbe vertragen hätte, oder die gelungenen Projektionen, welche auf dieser Tour das Backdrop ersetzten. Letztere untermalten dabei Songs wie die Klassiker "Lethe" oder "Dreamlore Degenerate" optisch passend und rundeten das Gesamtbild ab. Die Setlist orientierte sich erwartungsgemäß stark am letzten Album "Fiction", bot aber auch die ein oder andere Überraschung in Form von "Edenspring" oder dem von Mikael Stanne selbst auf der Gitarre gespielten Intro des Songs "Yesterworld", welches letztendlich fließend in "Punish My Heaven" mündete. Es war also für alle Generationen was geboten. Unumstrittenes Highlight dürfte allerdings dennoch einmal mehr das grandiose "ThereIn" vom "Projector"-Album gewesen sein, das nach wie vor eine der besten Nummern ist, die die Göteborger je geschrieben haben. Ähnlich wie bereits IN FLAMES im vergangenen Monat, verzichteten DARK TRANQUILLITY auf klischeebehaftete Zugabenblöcke und spielten stattdessen ihr komplettes Programm am Stück, bevor sie mit "Terminus (Where Death Is Most Alive") einen perfekten Schlusspunkt setzten. Eine Einstellung, die eigentlich Schule machen sollte.

Unterm Strich war die Veranstaltung also ein großartiger Konzertabend mit zwei herausragenden Bands und einem Rohrkrepierer, welcher jedoch zumindest dafür sorgte, dass man an diesem Sonntag nicht allzu spät zu Hause war. Hoffentlich finden beim nächsten Stopp der Schweden mehr Besucher den Weg in die Halle, denn verdient hätte es die Band auf jeden Fall. All jenen, die dieses Mal zu Hause geblieben sind, sei abschließend gesagt, dass sie eines der besten Metal-Konzerte des Jahres verpasst haben. Nicht mehr und nicht weniger.

Setlist FEAR MY THOUGHTS:

01. The Hunted
02. Blankness
03. The Blind Walk Over The Edge
04. Bound And Weakened
05. Death Chamber
06. Burning The Lamb / The Sacrifice
07. Gates To Nowhere


Setlist DARK TRANQUILLITY:

01. The Treason Wall
02. The New Build
03. Focus Shift
04. The Lesser Faith
05. The Wonders At Your Feet
06. Lost To Apathy
07. Inside The Particle Storm
08. Nothing To No One
09. Edenspring
10. Lethe
11. Dreamlore Degenerate
12. Misery´s Crown
13. ThereIn
14. Yesterworld (Intro)
15. Punish My Heaven
16. The Mundane And The Magic
17. Final Resistance
18. Terminus (Where Death Is Most Alive)



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