SOULFLY: Primitive
Als Max Cavalera SEPULTURA verließ und SOULFLY aus der Taufe hob, stand es um seinen Gemütszustand nicht zum Besten. Kein Wunder also, daß "Soulfly", das Debüt seiner neuen musikalischen Heimat, einem wilden, teils unkontrolliertem Ausbruch gleichkam. Er wütete und schrie, die Gitarre drosch in alle Richtungen, der brachiale Rhythmusteppich tanzte ungestüm zuckend umher, Stilelemente verschiedenster musikalischer Ausrichtungen wurden an den Haaren herbei gezerrt und in den brodelnden SOULFLY-Topf geworfen. Kreischend verglühten sie im finster-dröhnendem Durcheinander, ratlos lauschte der verdutzte Hörer und wurde nicht so recht schlau aus dem kakophonen Chaos, das sich da aus den Boxen krümmte.
2 Jahre später: Noch immer ist Max Cavalera wütend. Verdammt wütend sogar. Doch ist er seiner Emotionen soweit Herr geworden, daß er sie in geordnete Bahnen zu lenken vermag. In Bahnen, die nicht minder brachial anmuten, aber doch weit zugänglicher wirken. Das Gebräu aus Modern Thrash-Gitarren, neumetallisch pumpendem Bass, donnernden Drums, rhythmisch zwingender Percussion und Stilsprengseln aus Reggae, HipHop, Funk, dezenter Elektronik und südamerikanischer Folklore brodelt immer noch, doch das wilde, ebenso verstörte wie verstörende Stil-Dickicht ist einer transparenten Homogenität gewichen, die sich darauf beschränkt, das zu verschmelzen, was auch wirklich zur Einheit taugt.
Obgleich also die musikalische Bandbreite der des Debüts kein bißchen nachsteht, werden die verschiedensten Elemente doch wesentlich gezielter eingesetzt und einander zugeordnet. Mitunter fast schon zu gezielt, schält sich doch nach und nach ein Muster aus den Songs, dessen bloße Skizze meist die gleiche ist: Man nehme ein Brachial-Riff, füge einen treibend-groovenden Rhytmus und wütend-anklagende Vocals hinzu, suche dann nach einer Farbe der vorhandenen Stilpalette, die das Standard-Klanggemälde erweitert und ihm Tiefenkontur verleiht, und baue schließlich noch der Dynamik wegen einen atmosphärischen Part ein. Doch glücklicherweise ist besagte Stilpalette ausreichend bunt und der Arrangeur war ausreichend geschickt, um schließlich doch jedem Song zu seinem ureigenen und individuellen Charakter zu verhelfen.
Am Ende bleibt ein Album voll moderner Härte, das dem Großteil der sogenannten New Metal-Konkurrenz einiges Voraus hat. Unter anderem ein beachtliches Maß an Musikalität (die verhindert, daß klanggewordene Aggression zu purem und undifferenziertem Lärm verkommt) und vor allem WIRKLICHE Wut. "Primitive" ist nicht zeitgemäße Pose, sondern aufrichtiger emotionaler Ausdruck, der sich zwar weitgehendst auf ein nur kleines Spektrum menschlichen Seelenlebens beschränkt, sich diesem aber um so intensiver widmet. "Primitive" bedarf keiner Image-Plänkeleien und Promotion-Possen, es wirkt aus sich heraus. Und da spielen selbst große Namen solcher Mitwirkender wie Tom Araya (SLAYER), Cory#8 (SLIPKNOT), Sean Lennon oder Chino Moreno (DEFTONES) nur eine Nebenrolle und sind nicht mehr als weitere - angenehme - Farbsprengsel inmitten eines eigenständigen, intensiven und zeitgemäßen Werkes.
Spielzeit: 52:21 Min.
Line-Up:
Max Cavalera - Bass & Vocals
Mikey Doling - Guitars
Marcelo - D. Rapp - Bass & Percussion
Joe Nunez - Drums & Percussion
Gäste:
Larry McDonald, Meia Nolte - Percussion
Grady Avenell, Chino Moreno, Corey Taylor (8), Sean Lennon, Tom Araya, Babatunde Rabouin, Deonte Perry, Justus Olbert, Asha Rabouin - Vocals
Produziert von Toby Wright & Max Cavalera
Label: Roadrunner Records
Tracklist:
Back To The Primitive
Pain
Bring It
Jumpdafuckup
Mulambo
Son Song
Boom
Terrorist
The Prophet
Soulfly II
In Memory Of...
Flyhigh
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Ein völlig unentschlossener Brotaufstrich..!