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END OF GREEN: Elf Freunde müsst ihr sein (Listeningsession zu "Dead End Dreaming")

Interview vom 03.08.2005   drucken senden

End of Green - Bericht zur Listeningsession zu Dead End Dreaming


Da hatten sich die Finsterrocker von END OF GREEN solche Mühe gegeben, die Chapel in Göppingen - eine ehemalige Kirche, die einigen vom DOOM SHALL RISE-Festival her ein Begriff sein dürfte - stilecht für die CD-Präsentation im Beerdigungskontext herzurichten, und Petrus kontert trocken mit üppigen 35 Grad und Sonnenschein, sodass nicht wenige der Anwesenden Probleme gehabt haben dürften, sich auf den Nachfolger des dunkel schimmernden Juwels "Last Night On Earth" einzulassen. Auch üppig ausgelegte Rosen, Grablichter und Altar halfen da nicht mehr viel, einzig das Büffet mit Pentagrammbrötchen und giftgrünen Muffins machte Appetit auf END OF GREEN-Kost. Doch die Jungs mussten in ihrer Karriere schon ganz andere Hindernisse überwinden, zudem hatten sie elf Freunde dabei, die ihnen Schützenhilfe bei der Bekehrung der Journaille leisteten. Die Aufstellung im Einzelnen:

Nummer 1: "No Coming Home"
Beim Anstoß verhalten sich END OF GREEN ganz schön keck: Nachdem die Band sich bislang vehement gegen TYPE O NEGATIVE-Vergleiche gesperrt hat, legt Sänger Michael Huber gleich mal mit tiefer gelegter Grabesstimme los - und doch wird sofort klar, dass hier END OF GREEN am Drücker sind und keine halbgare Coverband. Der simple, effektive Stampfvers - wozu braucht man mehr als drei Akkorde? - geht in einen drückenden Refrain über, der von einer typischen Hookline gekrönt wird. Blitzstart!

End of Green Listeningsession - Die Dekoration
Pentagrammbrötchen und giftgrüne Muffins machten Appetit auf END OF GREEN-Kost
Nummer 2: "Dead End Hero"
Der Quasi-Titeltrack überzeugt mit mächtigen Grooves und im Kontrast dazu cleanen Gitarren, macht ansonsten anhand des sofort ins Ohr stürmenden Refrains unmissverständlich klar, dass END OF GREEN mittlerweile eine breite stilistische Basis besitzen, auf der sie auch über mehrere Alben hinweg mitreißend und höchstklassig musizieren können. Never change a winning team...

Nummer 3: "Speed My Drug"
Der Name ist Programm, zumindest der erste Teil. Flott rocken die Göppinger durch den dritten Volltreffer in Folge. Einziger Kritikpunkt wären höchstens die etwas steril klingenden Akustikgitarren und die getriggerte Bassdrum. Ansonsten präsentieren sich END OF GREEN bis hierher noch kompakter und schnörkelloser, als sie es eh schon waren.

Nummer 4: "Cure My Pain"
Jetzt wird erstmal der Zementmischer angeschmissen, Lavariffs quälen sich aus den überlasteten Boxen und lassen Erinnerungen ans Doom Shall Rise aufkommen. Wie schon zuvor liefert Michael Huber eine 1A-Gesangsleistung ab, die alle Schattierungen von Schwarz durchläuft, als er sich immer intensiver in die zu heilende Pein reinsteigert. Bei schlechterem Wetter garantiert ein Klassiker!

Nummer 5: "Weakness"
Es folgt die größte Überraschung des Albums, und das ausgerechnet bei "Weakness", das sich schon seit Jahren in einer rockig abgehenden Version einen Stammplatz im Liveprogramm erspielt hatte. Was zuvor ein grober und packender, live aber irgendwie etwas eindimensionaler und vorhersehbarer Track war, entpuppt sich plötzlich als Defensivstar. Zwar trommelt Schlagzeuger Matthias Siffermann um sein Leben, aber die Gitarrenstimmen der Dreierspitze an den Saiten offenbaren plötzlich differenzierte Details, und überhaupt wirkt der Song bewusst verhalten, fast schon scheut er vor seinem eigenen Hitpotential zurück. Zwischen der oberflächlichen Wut scheinen immer deutlicher Verzagen und Verzweiflung durch, während sich die Fäuste in den Taschen ballen. Man kann den inneren Kampf fast schon körperlich spüren...enorm hohe atmosphärische Dichte!

Nummer 6: "Sad Song"
Nanu, was soll denn das? Dur-Akkorde in einem END OF GREEN-Lied? Wo kommen wir denn da hin, hehe? Haben die sich verirrt? Nein, sie bieten eine weitere Klangfarbe, die sich wunderbar mit den dominanten Mollklängen reibt - sowohl beim ruhigen Anfang als auch später, als der Song sich hin zu einem flächigen, epischen Refrain öffnet. Spielaufbau: Weltklasse!

End of Green Listeningsession - Die Band in der Chapel in Göppingen
Mit ihrem neuen Album auf einem Triumphzug - END OF GREEN
Nummer 7: "So Many Voices"
Nach abgehackten Rhythmen zu Beginn entwickelt sich "So Many Voices" wegen seines zu simpel gestrickten Pop-Appeals zum Fehlschuss, denn irgendwie mangelt es diesem Track an der Besessenheit und Kompromisslosigkeit sonstiger END OF GREEN-Großtaten. Dabei sind die Zutaten die bewährten Trademarks der Band, doch die letztendliche Ausrichtung zielt ins Abseits.

Nummer 8: "Sick One"
Umso schöner, dass "Sick One" im Anschluss mit einer klasse Bridge zeigt, wie die SISTERS OF MERCY die Weltherrschaft zurückerobern könnten. Der restliche Song ist ähnlich wie "Weakness" eine melancholische Rocknummer, die Drive und Atmosphäre zugleich besitzt.

Der Auswechselspieler: "Farewell Song"
Als Nächstes bekommt die versammelte Metal-Gemeinde einen Song zu hören, der auf der endgültigen Version von "Dead End Dreaming" lediglich auf der Auswechselbank Platz nehmen, sprich nicht auf dem eigentlichen Release zu hören sein wird und vermutlich auf seine Chance als Bonustrack wartet. Doch ob er die nutzen kann, ist fraglich, denn trotz eingängigem Refrain fehlen ein wenig die Ecken und Kanten.

Nummer 9: "She´s Wild"
Auch wenn der Titel eventuell Ekstase verheißt, klingt "She´s Wild" eher nach Beziehungsstress oder gar Beziehungsunfähigkeit. Eine einsame Akustikmelodie versucht sich gegen die Groovewand von Bass und Drums durchzusetzen, während eine weitere Sternstunde von Michael Huber schlägt. Ständig erwartet man den Ausbruch in verzweifelt rockende Elegie, doch die Band lässt den Song geschickt unter der vermeintlich ruhigen Oberfläche brodeln, ohne dass ein Befreiungsschlag in der Gestalt von verzerrten Gitarren die Spannung auflöst.

Nummer 10: "Drink Myself To Sleep"
Keine Frage: Wäre dieser Song ein Fußballer, er bekäme von mir die Rückennummer 10! Da passt einfach alles bei diesem Deprirocker. Die Zweideutigkeit des Schlafes in der Titelmetapher äußert sich musikalisch in der perfektionierten Ambivalenz zwischen rückhaltlosem Feiern bis zum Untergang und der desillusionierten Verzweiflung eines gebrochenen Charakters - hinzu kommt die Stärke im Abschluss in Form eines wuchtigen Finales.

Nummer 11: "All About Nothing"
Was wäre eine END OF GREEN-Platte ohne einen langen Abschlusstrack, der einem selbst bei subtropischen Verhältnissen jegliche Lebenslust aus den geschundenen Knochen saugt? Das Tempo wird runtergefahren, während Michael Huber endgültig zeigt, dass er seine Stimme mittlerweile in allen Lagen passgenau einsetzen kann. Egal, ob KATATONIA-artiges Leiden oder Trauergesänge aus den tiefsten Katakomben, immer trifft er die Stimmung hundertzehnprozentig. Gegen diesen Song ist Marvin aus "Per Anhalter durch die Galaxis" ein Optimist!

Fazit: 10:0, eine Auswechslung und ein vergebener Elfmeter für END OF GREEN in einem hitzigen Spiel - macht insgesamt einen Triumphzug, der im von gecasteten Pseudobands und poppiger Verwässerung geplagten Gothicbereich der letzten Jahre für frischen Wind sorgen dürfte und zusammen mit "Paradise Lost" von gleichnamiger Band derzeit einsam an der Spitze steht.


END OF GREEN im vampster-Archiv

Es wurden 53 Artikel zu END OF GREEN im vampster-Archiv gefunden.
Artikelübersicht anzeigen:

CD-Review
END OF GREEN: High Hopes In Low Places (13.07.2010)
END OF GREEN: The Sick´s Sense (25.08.2008)
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Interview
END OF GREEN: Wenn sich die Leichen im Keller melden... (06.10.2005)
END OF GREEN: Musikalische Triebtäter (04.12.2003)
END OF GREEN: Woher kennen Finnen SCOOTER? (25.04.2002)


Live
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END OF GREEN, JACK FROST: Stuttgart, LKA-Longhorn, 02.10.2008 (20.11.2008)
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END OF GREEN, SUBTERFUGE CARVER: Konstanz, Kulturladen, 23.9.2005 (24.10.2005)
END OF GREEN, UNDERTOW – Stuttgart, Röhre, 18.9.2003 (06.10.2003)
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News
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END OF GREEN: ´High Hopes In Low Places´ - Video zu ´Goodnight Insomnia´ (05.07.2010)
END OF GREEN: Videopremiere zu "Goodnight Insomnia" (04.07.2010)
END OF GREEN: veröffentlichen Tracklist und Albumcover zu ´High Hopes In Low Places´ (18.06.2010)
END OF GREEN: neues Album ´High Hopes In Low Places´ im August (01.04.2010)
END OF GREEN: Tour-Abschluss in Stuttgart und neues Album 2010 (10.12.2009)
END OF GREEN: Konzert von Bonn nach Köln verlegt (07.10.2008)
END OF GREEN: ´The Sick´s Sense´ auf Platz 21 in den Album-Charts (28.08.2008)
END OF GREEN: auf Mini-Tour mit KATATONIA (21.08.2008)
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