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LETZTE INSTANZ: live in der Krefelder Kulturfabrik am 26.10.03

Live vom 11.11.2003   drucken senden

Nachdem das aktuelle Album "Götter auf Abruf" bei den alten Fans eher zwiespältig aufgenommen wurde, durfte man gespannt sein, wie sich die LETZTE INSTANZ anno 2003 live schlagen würde. Nun, offenbar hatten es viele enttäuschte Altfans gar nicht erst für nötig befunden, der Band live eine Chance zu geben, denn die Kulturfabrik zu Krefeld war nicht wirklich gut gefüllt, schätzungsweise gut 200 Leute hatten sich eingefunden, als die Hauptband des Abends die Bühne betrat.



Zuvor allerdings musste sich RYA nach weit über einstündiger Verspätung - die ersten Fans waren schon unruhig geworden und forderten lautstark nach Musik - mit noch weitaus weniger Zuhörern begnügen. Die zwischen tiefen und engelsgleichen, durchaus anhörbaren Vocals pendelnde Sängerin und ihre Begleitband boten während ihres knapp halbstündigen Auftritts größtenteils unspektakulären Gothic Rock, der insbesondere bei den mit stumpfem Beat von der Bassdrum unterlegten Midtempo-Songs einfach nur Langeweile verbreitete, so dass sich der Applaus des Publikums auch sehr in Grenzen hielt. Besser waren da schon die ruhigeren, getragenen Stücke, bei denen die atmosphärischen Keyboards voll zur Geltung kamen und RYA ihre Stimme besser einzusetzten vermochte. Einziges Problem: RYA scheint ein großes Vorbild zu haben, BJÖRK, und an diesem Vorbild orientiert sie sich viel zu sehr, was ihren Gesangsstil betrifft, bis hin zur Intonation. Mit BJÖRK kann sie es allerdings in keinster Weise aufnehmen, so dass die Entwicklung eines eigenen Stils vorteilhaft wäre. Mit dem nicht vorhandenen S tageacting und der mageren Kommunikation mit dem Publikum, die sich auf ein "Danke" nach jedem Song und eine schleimige Lobenshymne auf "die beste Band der Welt" beschränkte, konnte RYA dann auch nicht mehr viel reißen. Immerhin hat sie es geschafft, drei Fans in Ektase zu bringen und beim Rest die Vorfreude auf die LETZTE INSTANZ um ein Vielfaches gesteigert, so dass der Auftritt durchaus nicht unfunktional war.

Nach der Umbaupause, deren Dauer sich aber glücklicherweise in Grenzen hielt, war es dann endlich soweit, die Meute drängte sich vor der Bühne, und nach einem obligatorischen Intro begann die LETZTE INSTANZ mit dem Opener des aktuellen Albums, "Salve Te", welcher mit seinem heftigen, modernen Riffing auch so gleich für Bewegung in den ersten Reihen sorgte. Insgesamt aber war das Krefelder Publikum an diesem Abend erschreckend träge, trotz aller Bemühungen von Frontmann Robin, der nach und nach mehr Spass an dem Auftritt zu bekommen schien, die Gäste zum Tanzen zu bringen. Ob es an den Songs lag? Sicherlich auch ein Grund, obwohl deutlich wurde, dass die neuen Stücke live weitaus besser funktionieren als auf CD. "Bittere Nacht", "Himmelfahrt" oder "Showtime" jedenfalls reihen sich wunderbar in das alte Material ein, und auch das Rap-lastige "Position im Kosmos" wirkte so gar nicht deplatziert, wenn hier auch Holly D.'s Stimme zu Beginn etwas dünn rüber kam, was sich aber im Verlauf des Songs legte. Gerade aber ruhigere Songs wie das sehr düstere und ernste "Spurlos" konnten live noch dazu gewinnen und wirkten unheimlich intensiv, nicht zuletzt durch die grandiose Gesangsleistung von Robin, der es einfach versteht, Emotionen rüberzubringen. Ihren Teil dazu beigetragen hat sicherlich auch die Videoprojektion, die während der gesamten Show auf zwei großen Leinwänden zum jeweiligen Song passendes Bildmaterial lieferte, welches mit viel Liebe fürs Detail ausgewählt wurde. Während bei den harten und tanzbaren Stücken allerdings natürgemäß kaum jemand davon Notiz nahm, wirkten die Bilder bei nachdenklichen Songs wie eben "Spurlos" umso stärker. Eine beinahe perfekte Symbiose aus Bild und Ton.
Doch natürlich beließ man es nicht bei den neuen Songs, sondern präsentierte eine gelungene Auswahl der Highlights der letzten beiden, doch etwas folklastigeren Alben, mit denen das Eis denn auch gebrochen wurde, so dass beim extrem tanzbaren und wunderbar ironischen "Oh, Fortuna" und natürlich beim K lassiker "Rapunzel" doch noch ordentlich Bewegung in die Menge kam und sich auch ein kleiner Moshpit bildete. Ansonsten passierte aber auf der Bühne eindeutig mehr als vor der Bühne, denn trotz ihrer Achter-Besetzung war genug Platz vorhanden, dass zumindest ein der Teil der Band ständig in Bewegung sein konnte. Die LETZTE INSTANZ bot eine äußerst unterhaltsame Show, die geschickt zwischen Ernsthaftigkeit, Nachdenklichkeit udn künstlerischem Anspruch auf der einen Seite und purem Spass und interessanten Showeinlagen auf der anderen Seite wechselte (beim Instrumental "Opus No. 1" etwa zeigte die Videoprojektion passend zur Musik einen tanzenden Knochenmann, bei "Mondfahrt" gab es eine kleine Zaubereinlage der Marke Copperfield light). Die Musik war mit einem äußerst transparenten und gleichzeitig druckvollen Sound gesegnet, die Band wirkte sehr gut auf einander eingespielt, gab sich technisch keine Blöße, überzeugte mit einer gelungenen Songauswahl und wirkte darüber hinaus noch ungemein sympathisch. Dass die Stagediving-Versuche von Benni Cellini und M. Stolz am Ende des K onzertes in die Hose gingen, ist bezeichnend für das Krefelder Publikum, ändert aber nichts an der Klasse der Band.


LETZTE INSTANZ im vampster-Archiv

Es wurden 40 Artikel zu LETZTE INSTANZ im vampster-Archiv gefunden.
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