CD-Review: HAWKWIND: Blood Of The Earth. Mehr von HAWKWIND

HAWKWIND: Blood Of The Earth

  • cdreview - HAWKWIND: Blood Of The EarthEs kann nun wirklich nicht jede Band von sich behaupten, der Inbegriff eines ganzen Genres zu sein. Aber wo auch immer das Wort Space-Rock auftaucht, da redet jeder sofort erst mal von HAWKWIND. Seit dem Debüt 1970 haben die Engländer grob so viel Scheiben veröffentlicht, wie es Planeten im Universum gibt. Auch wenn schon lange nur noch Bandkopf Dave Brock das Kommando hat, so ist man doch neugierig, wohin die Reise diesmal geht mit seiner Crew und dem neuen Album "Blood Of The Earth".

    Große Namen wecken große Erwartungen, das ist wohl unvermeidbar. Um es vorweg zu nehmen, so langsam - genau genommen schon etwas länger - merkt man dem alten Weltraumkahn HAWKWIND an, dass er mit den neueren Modellen, u.a. aus Deutschland oder Schweden, nicht mehr so richtig mithalten kann. Klar erkennt man sofort die Erfahrung und Routine, entstehen Bilder von fernen Galaxien und weite Reisen durch das All. Man hört gern zu, wenn der Opener mit Trance-Grooves und Synthie-Gewabber vorantreibt und dann übergeht in den kurzen Titeltrack, der die eisige Kälte des finsteren Alls spürbar wiedergibt. Auch das schwebende "Prometheus" dürfte jedem Space-Rocker gut reinlaufen. Dagegen gibt es Songs wie das eher an Irland oder Schottland als an den Weltraum erinnernde Instrumental "Green Machine" mit Gastkeyboards von Tim Blake, Gründungsmitglied der frühen britischen Progressive-Rocker GONG. Dieser Song, oder auch das relaxte "Starshine", erinnern mich eher an die Wartezimmermusik meiner charmanten Physiotherapeutin oder meines Neurochirurgen, klingen mehr nach Wellness-Musik als nach Space-Rock. Das gerade die Neuaufnahme von "You´d Better Believe It" vom fantastischen ´74er Album "Hall Of The Mountain Grill" der Höhepunkt des Albums ist, das spricht für sich. Die neue Version des sonderbaren "Sweet Obsession", im Original von Dave Brock´s 84er Soloalbum "Earthed To The Ground", hätte punkten können, irritiert aber mit hektischem Getrommele, irgendwas klingt hier nach defektem Warp-Antrieb. Das freakige "Comfy Chair" erschreckt mit nöligem, permanent daneben liegendem Sprechgesang. Die Vocals sind im Allgemeinen wenig geeignet, um wirkliche Verzückung auszulösen. Dagegen gibt es am sauberen, klaren Sound nichts zu meckern. Für Sammler gibt es das Album auf Vinyl plus Bonustrack bzw. als Doppel-CD inklusive einiger Live-Songs und einem Interview.

    Pionierstatus hin oder her, für echte HAWKWIND-Fans, die wahrscheinlich mit der Band gealtert sind, passt "Blood Of The Earth" durchaus in die Sammlung. Jüngere Space-Freaks sollten aber eher zu Klassikern greifen wie dem genannten "Hall Of The Mountain Grill" oder dem 80er "Levitation"-Album. Oder noch besser sollte man die jungen Bands der erfreulich aktiven Space-Rock-Szene unterstützen. Stöbert einfach mal z.B. bei Elektrohash oder Transubstans-Records.



    Veröffentlichungstermin: 27.08.2010

    Spielzeit: 60:00 Min.

    Line-Up:

    Dave Brock - Guitar, Vocals, Synthesizers
    Niall Hone - Guitar, Bass, Keyboards
    Mr. Dibs - Bass, Vocals
    Tim Blake - Keyboards
    Richard Chadwick - Drums, Percussion, Vocals



    Produziert von Hawkwind
    Label: Eastworld Records/Southern Records

    Homepage: http://www.hawkwind.com

    MySpace: http://www.myspace.com/hawkwindofficial

    Tracklist:

    1. Seahawks
    2. Blood Of The Earth
    3. Wraith
    4. Green Machine
    5. Inner Visions
    6. Sweet Obsession
    7. Comfy Chair
    8. Prometheus
    9. You´d Better Believe It
    10. Sentinel
    11. Starshine
    12. Sunship (Vinyl)




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