CD-Review: HARVESTMAN: In A Dark Tongue. Mehr von HARVESTMAN

HARVESTMAN: In A Dark Tongue

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    "In A Dark Tongue" ist unheimlich, wie ein Ritual, in dem der Geist den Körper verlässt. Das empfindet nicht nur Steve von Till so, sondern auch der Hörer, der auf HARVESTMANs zweitem Album in die spirituellen, psychedelischen Welten deren Schöpfers tauchen. Hier trennt sich der Geist vom Fleisch, hier wird der Klang zu dem Feuer, das zwischen den Wäldern brennt, wenn die Schamanen eins mit der Erde werden. "In A Dark Tongue" spricht die Sprache der Erde, es ist so spontan wie tief und zeugt vom großen Talent von Steve von Till. Unter dem Namen HARVESTMAN schaltet er seinen Kopf aus, lässt die Gitarre erklingen, loopt, manipuliert, türmt Soundschichten auf und macht es sich in einer Nische zwischen EARTH und HAWKWIND bequem. "In A Dark Tongue" fließt dahin, locker, bizarr, niemals zäh oder mit überflüssigen Wiederholungen. Auch wenn "By Wind And Sun" und "The Hawk Of Achill" mit Hilfe von Synthesizern und Oszilatioren in epische Gefilde wandern, hat Steve von Till ein gutes Händchen dafür zu wissen, wann es zu viel ist.

    Im Vergleich zum Debütalbum "Lashing The Rye" ist "In A Dark Tongue" viel dichter instrumentiert, mit abwechslungsreicheren Sounds und einem viel breiteren musikalischen Spektrum. Hier geht Space Rock nahtlos in folkige Themen über, die sich schließlich in bizarre Ambientformen verwandeln. HARVESTMAN schreibt vielleicht nur teilweise spannende Songs, die es aber durch ihren Fluss gar nicht nötig haben, groß zu überraschen. Dennoch, mit "World Ash", dem hypnotischen "Music Of The Dark Torrent", dem großartigen JOHN MARTYN-Cover "Eibhil Gail Chiuin Ni Chearrbhail", dem schweren Semi-Akustikstück "Light Cycle" und dem wundervollen, finalen "Centre Of The World", bei dem der Titel Programm ist, wird "In A Dark Tongue" zu einer tiefen Erfahrung, die HARVESTMAN noch nicht am Zenit seines Möglichkeiten zeigt, aber einen großen Schritt nach vorne bedeutet.

    Zusammen mit einer handvoll Gastmusiker, die Steve von Till unterstützen, erhält dieses warm produzierte Album zusätzliche Facetten, so dass beispielsweise Alex Hall von GRAILS mit seinem unverkennbarem Gitarrenspiel und Al Cisneros mit seinen charakteristischen Basslinien maßgeblichen Einfluss am Endergebnis von "In A Dark Tongue" haben. Bekannt ist, dass Steve von Till Musik nicht gerne auseinander nimmt, sondern als Ganzes konsumiert. Das wirkt sich auch auf das Songwriting seines Alter Egos aus, mit der Konsequenz, dass HARVESTMAN ein großes Gesamtwerk parat hat, das keine Längen aufweist und Raum und Zeit in ganz anderen Bahnen verlaufen lässt. Ob wir der Natur und seiner Rauheit dadurch wirklich näher kommen und zu einem ebenso geheimnisvollen Schamanen wie auf dem grandiosen Cover von Josh Graham werden? Ich weiß es nicht. Dass wir diesen Trip gerne wieder wagen, weiß ich hingegen ganz sicher.

    Veröffentlichungstermin: 21. August 2009

    Spielzeit: 69:29 Min.

    Line-Up:

    Steve von Till - Electric Guitar, Appalachian Dulcimer, Synthesizer, M-Trin, Piano, bass, Manipulation, Filters, Ring Modulator, Loops, Vocals, Delay, Distortion

    Gastmusiker:
    Alex Hall - Guitar ("Music Of The Dark Torrent", "Eibhli Ghail Chiuin Ni Chearbhail")
    Al Cisneros - Bass ("The Hawk Of Achill")
    Ryan Summers - Synthesizer, Echoplex ("By Wind And Sun")
    Grawer - Electric Guitar ("By Wind And Sun")
    Andrew Noto - Drums ("By Wind And Sun")
    Matt Heneuse - Bass ("By Wind And Sun")


    Produziert von Steve von Till
    Label: Neurot Recordings

    Homepage: http://www.vontill.org
    MySpace: http://www.myspace.com/heathenpsych

    Tracklist:

    1. World Ash
    2. Karlsteine
    3. Birch-Wood Bower
    4. By Wind And Sun
    5. Music Of The Dark Torrent
    6. Eibhli Ghail Chiuin Ni Chearbhail
    7. Headless Staves Of Poets
    8. The Hawk Of Achill
    9. Carved In Aspen
    10. Light Cycle
    11. In A Dark Tongue
    12. Centre Of The World


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