CD-Review: HELLOWEEN: Unarmed. Mehr von HELLOWEEN

HELLOWEEN: Unarmed

  • cdreview - HELLOWEEN: UnarmedZu ihrem 25-jährigen Jubiläum malen sich HELLOWEEN eine riesengroße Zielscheibe auf die Brust und grinsen die Metal-Welt herausfordernd an. Für "Unarmed" hat das Hamburger Metal-Urgestein nämlich eine Reihe seiner bekanntesten Songs genommen und durch den Akustikpopfleischwolf gedreht. Zwischendurch fiel auch noch eine Packung Orchester dazu. Um das Ergebnis im Detail zu beschreiben, reicht mein Metal-Vokabular leider nicht aus. Popkacke hätte man vermutlich vor 18 Jahren dazu gesagt. Seinerzeit schenkte mir mein Bruder einen "Live In The U.K."-Pulli. Amüsanterweise wurde der Stil von HELLOWEEN seinerzeit oft - und nicht immer liebevoll - als Happy Metal bezeichnet. Verdammt, ist das wirklich schon so lange her? Tatsächlich erreiche ich dieses Jahr meine Metal-Volljährigkeit. Und HELLOWEEN knacken gar das erste Vierteljahrhundert (wenn man ab der Veröffentlichung des selbstbetitelten Mini-Albums zählt).

    Unbefangen und fröhlich zelebriert die Band ihre Vergangenheit. Bei "Eagle Fly Free" gibt es lockere Rhythmen und HELLSONGS-Besuch. Bei "Where The Rain Grows" dominieren balladeske Klänge das Geschehen. Die Hochgeschwindigkeitskompositionen kriechen im gefühlten Schneckentempo durch ihre Spielzeit. Doch so richtig können sich die Neueinspielungen nicht von ihren Vorlagen emanzipieren. Und beim überlangen "The Keeper´s Trilogy"-Medley kommen plötzlich doch noch Doublebass zum Einsatz, die das hübsche Orchester-Arrangement in Mitleidenschaft ziehen. Die beiden Balladen "Forever & One" und "A Tale That Wasn´t Right" werden dagegen in epischer Breite zelebriert. Hier wird das wesentliche Manko dieser Jubiläumsveröffentlichung deutlich: Die Originalversionen sind bereits absolut großartig. Die Neuaufnahmen sind lediglich nett. Beim ersten Hören klingen sie unterhaltsam. Beim zweiten Mal kommt immerhin noch der Spaß rüber, den die Band bei den Aufnahmen hatte. Aber dann verliert "Unarmed" seinen Reiz.

    Halt! Bei "Fallen To Pieces" vom letzten Album "Gambling With The Devil" ist es HELLOWEEN gelungen, sich selbst zu übertreffen. Der Gesang kommt in der aktuellen Fassung besser zur Geltung und die Fernweh-Stimmung kann sich bestens entfalten. Musikalisch ist die Nummer freilich nicht im entferntesten so Party-tauglich wie der neuerdings Bläser-gestützte "Dr. Stein", der im Vorfeld bereits Angst und Schrecken in der konservativen Metal-Szene verbreitete.

    Insgesamt hat die Band sich mit "Unarmed" sicher ein nettes Geschenk beschert. Als Metal-Fan sollte man dem Album jedoch mit größter Vorsicht begegnen.

    Veröffentlichungstermin: 29.01.2010

    Spielzeit: 59:15 Min.

    Line-Up:
    Andi Deris: Gesang
    Michael Weikath: Gitarre
    Sascha Gerstner: Gitarre
    Markus Großkopf: Bass
    Daniel Löble: Schlagzeug
    Label: Sony

    Homepage: http://www.helloween.org

    MySpace: http://www.myspace.com/helloween

    Tracklist:
    1. Dr. Stein
    2. Future World
    3. If I Could Fly
    4. Where The Rain Grows
    5. The Keeper`s Trilogy
    6. Eagly Fly Free
    7. Perfect Gentleman
    8. Forever & One
    9. I Want Out
    10. Fallen To Pieces
    11. A Tale That Wasn`t Right

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