CD-Review: HELLOWEEN: Mrs. God (Single). Mehr von HELLOWEEN

HELLOWEEN: Mrs. God (Single)

  • cdreview - HELLOWEEN: Mrs. God (Single)Mal ehrlich: Wer erwartet ernsthaft, dass HELLOWEEN noch einmal zur Klasse und v.a. zum Stil ihrer beiden "Keeper"-Alben zurückfinden? Genau, niemand. Folglich will ich die Namensgebung des Ende Oktober erscheinenden neuen Albums an dieser Stelle ignorieren und die Vorab-Single lieber im Licht der letzten HELLOWEEN-Scheiben betrachten.

    Die ersten Sekunden von "Mrs. God" wirken zerfahren. Das liegt teilweise am überraschend undifferenzierten Sound, teilweise an der etwas unkonventionellen Melodieführung in der Strophe. Der erste Refrain lässt natürlich nicht lange auf sich warten und entpuppt sich als gewohnt eingängige Hookline, bei der Andi Deris seine Stimme voll entfalten kann. Bei der zweiten Strophe hat man sich bereits an den Song gewohnt und kann nebenbei feststellen, dass man die Musik getrost als Mischung aus poppigen "Better Than Raw"- und "If I Could Fly"-Elementen beschreiben kann. Der Mittelteil besteht aus einem fast schon sphärischen Solo, das etwas fehl am Platz wirkt, sowie einem kurzen Bassbreak und dem Mähen eines Schafes. Zuletzt wird der Refrain ein weiteres Mal breitgetreten, ehe der Song nach drei kurzweiligen Minuten sein Ende erreicht hat. Im Prinzip hätte ich bereits beim letzten Album "Rabbit Don´t Come Easy" eine Single wie "Mrs. God" erwartet, so dass die Nummer nun keine große Überraschung ist, sondern schlicht und ergreifend ein unterhaltsamer Deris-Song.

    Beim zweiten Stück "The King For A 1000 Years" sehen die Erwartungen dagegen anders aus. Angesichts einer Lieddauer von knapp 14 Minuten dürfte hier niemand ernsthaft übertriebene Eingängigkeit erwarten. Nach einem gesprochenen Intro und kurzem Akustikteil beginnt die Komposition routiniert mit treibenden Strophen und einem flotten Refrain. Leider wirken viele Gesangslinien unausgegoren, zumal die charismatische Stimme von Andi Deris noch nie für derart breite Harmonien geeignet war. Im weiteren Verlauf haben HELLOWEEN dann erwartungsgemäß einige überraschende Wendungen parat. So wechselt die Band mitten im Song plötzlich die Taktart und schreckt auch vor schleppenden Passagen mit verfremdetem Gesang nicht zurück. Statt ausladender Soloteile gibt es bombastische Chöre und gewagte Übergänge. Über weite Strecken klingt der Song in meinen Ohren dadurch fast so, als würden HELLOWEEN ein RHAPSODY-Epos covern. (Vor einiger Zeit gab es ja umgekehrt ein HELLOWEEN-Tribute-Album mit RHAPSODY ("Guardians") und Luca Turilli ("I´m Alive")). Dementsprechend zweifelhaft klingt das Endergebnis. "The King For A 1000 Years" ist also eine von Unstetigkeit geprägte Achterbahnfahrt, die allerlei Elemente aus den letzten 20 Jahren HELLOWEEN enthält. Diese Fahrt dürfte bei der Mehrheit der Fans eher ein flaues Gefühl im Magen bescheren als euphorische Glücksgefühle. Denn bei ihrer Reise zurück zu ihren Wurzeln sind HELLOWEEN in einer fragwürdigen stilistischen Grauzone gelandet.

    Der exklusiv auf dieser Single erhältliche Track "Run (The Name Of Your Enemy)" ist ein kompakter Power Speed Metal-Song, bei dessen Refrain ich das Gefühl nicht loswerde, dass zu viele Dur-Akkorde im Spiel sind. Und da das Schlagzeug weder den Druck wie zu Uli Kusch-Zeiten entwickelt, noch die charmante Holprigkeit des verstorbenen Ingo Schwichtenberg besitzt, will der Begeisterungsmotor nicht so recht anspringen. Vielmehr ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich über die scheinbar viel wichtigere Frage nachgrüble, ob denn eigentlich die "Keeper 1" und die "Keeper 2" gleich genial sind, oder wenn nicht, welche denn besser ist...

    Veröffentlichungstermin: 05.09.2005

    Spielzeit: 21:04 Min.

    Line-Up:
    Andi Deris: Gesang
    Michael Weikath: Gitarre
    Sascha Gerstner: Gitarre
    Markus Grosskopf: Bass
    Dani Löble: Schlagzeug

    Produziert von Charlie Bauerfeind
    Label: Steamhammer / SPV

    Homepage: http://www.helloween.org


    Tracklist:
    1. Mrs. God
    2. The King For A 1000 Years
    3. Run (The Name Of Your Enemy)


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    Das ist allemal besser als: Der eine Typ von LORDI hat die gleichen Hautprobleme wie ich.

    Jutze ist froh, dass er nur die gleiche Brille wie ein THE GATHERING-Musiker trägt.

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